Überaus gut vorbereitet bestritt ich heute den Halbmarathon in Regensburg. Der geneigte Leser dieses Blogs hat das in der Vergangenheit ja mit verfolgen können. Dass die Form trotzdem stimmt, liegt natürlich an den professionellen Trainingsplänen des Herrn Greif, die ich zu 100 Prozent befolge. Na ja, zumindest fast, hüstel.
Dazu der ausgetüftelte Ernährungsplan mit exzessiven Carboloading am Donnerstag bis Samstag (Grillen mit Freunden, Mutters 70. Geburtstag am Vortag) und das passende Wetter ließen große Taten erwarten.
Irritierender Weise tat sich Samstag Mittag nach der Fahrt zur Geburtstag eine schmerzhafte Baustelle auf. Ohne Grund (vermeintlich) auftretende Schmerzen am rechten Knie, so als ob ich mir es heftig angestoßen hätte. Treppensteigen konnte ich nur noch mit Mühe und das Gehen war sehr schmerzhaft. Großes Rätselraten, woher das kam. Am nächsten Morgen nur minimale Besserung. Na gut, fahre ich halt mal zum Start, dann sehen wir weiter.
Viel zu früh traf ich ein, holte meine Startnummer ab und verfolgte dann den beeindruckenden Zieleinlauf der Inlineskater. Danach warmlaufen, der Test, ob ich überhaupt starten würde. Die Schmerzen wurden eher geringer als heftiger, vermutlich aufgrund der besseren Duchblutung. Na, dann versuche ich es halt.
Aufstellung im Block A, was einen zügigen und relativ ungestörten Start zur Folge hatte. Nach fünf Kilometern zeigte die Uhr einen Schnitt von 4:18 Minuten. Für mein Vorhaben, unter 1:33 Stunden zu laufen, eigentlich unnötig schnell. Ich versuchte das Tempo ein wenig zu drosseln, weil ich nicht so recht wusste, was ich vom Wetter zu halten hätte. 12° beim Start, aber sonnig, es bestand die Möglichkeit, dass es noch unangenehm werden könnte. In der Folge pendelte sich das Tempo bei etwa 4:22 ein, was zu einer Zwischenzeit von 43:28 Minuten bei 10 km führte.
Kurz danach der Wendepunkt und die nächsten Kilometer zurück auf der langen und geraden Ausfallstraße mit sehr wenig Zuschauern. Die Sonne hatte wie befürchtet an Kraft gewonnen und mir die meine entsprechend aus den Beinen gezogen. Auf den folgenden Kilometern verlor ich die entscheidenden Minuten auf meine Bestzeit, der Schnitt sank immer weiter, 4:24 bei Kilometer 14, 4:25 zwei Kilometer weiter und die Beine wurden immer schwerer. Die Motivation war dahin, warum nur tue ich mir diesen Stress immer wieder an, war mein Gedanke. Kurz gesagt - Ich hatte keinen Bock mehr.
Beim siebzehnten Kilometer der Schwenk über die Donau. Die Fußgängerbrücke schwankt immer sehr dynamisch im Rhythmus der darüber laufenden Sportler. Das gab mir wohl den erforderlichen Kick, denn auf einmal ging wieder was. Doch zunächst galt es die Steinerne Brücke zu überwinden, die einzige nennenswerte Steigung des ganzen Kurses. Problemlos erreichte ich den “Hans-guck-in-die-Luft” am Zenit der Brücke und ab ging’s in die Altstadt. Auch hier war ordentlich was los und mein Elan wurde immer größer. Der wurde bestenfalls gebremst durch das hintere Feld des 10 Kilometer-Laufes, das sich nun auch auf der Strecke befand. Die Zwei-Zentner-Wonneproppen waren noch recht einfach zu überholen. Aber dann folgten die “Rookies” begleitet von ihren sie aufmunternden Lebensgefährten und die “Klatschtanten”, die in Dreierreihe und dauerquatschend dahinjoggten. Aber auch den so erzwungenen Slalom meisterte ich souverän.
Kurz vor dem Ziel wurde ich Zeuge, wie ein Konkurrent einen Orgasmus bekam. Dann noch einen. Und noch einen und bis zum Schluss noch viele weitere. So hörte er sich zumindest an. Ob dieser Standfestigkeit wagte ich es nicht, ihn mir von vorn anzusehen, obwohl ich die Möglichkeit dazu gehabt hätte. Im Endspurt ließ er mich dann endgültig stehen, bildlich gesprochen. Ob das der letzte Höhepunkt des Tages für ihn war? Ich will es nicht wissen, ehrlich gesagt.
Für einen ordentlichen Endspurt hat es bei mir dann auch noch gereicht, obwohl mein Zeitziel bei Weitem nicht mehr zu erreichen war. Am Ende war ich nach 1:34:23 Stunden im Ziel. Ich bin zufrieden, obwohl es im Duell immer noch 0:0 steht und die Bestzeit nicht gefallen ist. Bei dem Trainingsumfang, den ich betreibe, ist es erfahrungsgemäß nicht immer möglich, so ganz genau vorherzusagen, wie die Leistung ausfallen wird. Es hängt einfach zuviel von der Tagesform ab. Zu Buche stehen heute Platz 55 von 402 in meiner Altersklasse. Das ist in den vorderen 15%, so weit vorn war ich glaube ich noch nie. Insofern also doch ein Erfolg.
Und jetzt wird geradelt, schließlich ist bald Triathlon. Und da wage ich diesmal keine Vorhersage, versprochen.
Ach ja, die Schmerzen am Knie. Die haben mich erst wieder im Ziel beschäftigt. Kurios, nicht? Und auf der Heimfahrt habe ich herausgefunden, woher sie kommen. Wenn man einen Tempomat im Auto hat, kann man sein Bein entspannt im Fußraum ablegen. Bei dieser Gelegenheit stieß mein Knie auf der langen Fahrt gestern ständig an den Zündschlüssel. Dauerschläge sozusagen und dumm gelaufen. Vor allem aber nicht weiter tragisch.
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