Comeback

30 06 2008

Für einen reinen Läufer ist die Gewöhnung an die Logistik die Herausforderung beim Triathlon. Zumal wenn die Wechselzone 1 nicht gleich der Wechselzone 2 ist, wie beim Rothsee-Triathlon der Fall. Wenn man dann noch am Vorabend beginnt, sich Gedanken zu machen, was man alles benötigt, kann das durchaus stressig werden.
Also Beutel 1, der wasserdicht sein muss. Hier kommt nach dem Schwimmen der Neopren rein sowie die Bademütze und Schwimmbrille. Beutel 2 - Laufsachen. Rucksack für die Sachen, die vor dem Wettkampf abgegeben werden und solche, die nachher gebraucht werden. Am Fahrrad müssen Helm, Radschuhe und Startnummer liegen, die Brille darf dort sein.
Es könnte auch nicht schaden, vorher einen Blick auf die Ausrüstung zu werfen. Dann könnte man zum Beispiel feststellen, wenn der Helm einen Sprung hat. Es bringt nur unnötige Hektik in die Zeit vor dem Start, wenn man vom Kampfrichter aufgefordert wird, sich einen anderen Helm zu besorgen. Zum Glück war der örtliche Fahrradhändler extra vor Ort, um Dilettanten wie mir aus der Patsche zu helfen.
Zu guter Letzt war aber doch alles am Platz und endlich war etwas Zeit für Small-Talk. Stephan erwischte ich beim Fahhrrad - kurzes Hallo und Vorstellung, aber mehr ging in der allgemeinen Betriebsamkeit unter. Ausführlich mit Pit und Verena, meiner Studienkollegin. Beide langjährige Triathlon-Veteranen und mittlerweile als Kampfrichter unterwegs. Ein längeres Gespräch mit Helmut, meinem Triathlon-Blogger-Zögling, Newcomer und angehender Ironman (kann man das so sagen?). Insgeheim hatte er sich wohl schon etwas ausgerechnet für unser erstes direktes Duell. Leider war es nicht sein Tag, warum, bitte ich in seinem Blog nachzulesen.
9:35 Uhr, endlich durfte ich mich in den Neopren zwängen. Bei über 20° C eine ziemlich schweißtreibende Angelegenheit. Irgendwie passte er auch nicht, am Hals viel zu eng. Oder ich habe das inzwischen, nach zwei Jahren ohne Triathlon, einfach vergessen. Ich war in der sechsten Startgruppe, meine Vereinskollegen waren schon lange im Wasser. Was nur soviel bedeutet, dass es sich entweder um Frauen handelt oder Athleten weit jenseits meiner Preisklasse.
Ich konnte nicht so recht einschätzen, wie es um meine Schwimmform bestellt war. Deshalb lag die Priorität auf lockerem Schwimmen. Umso überraschter war ich, wie locker es ging. Zwar störte mich die Enge am Hals die ganze Strecke, aber es hinderte mich nicht am munteren Dahinpaddeln. Ich ziehe es vor, dem Trubel aus dem Weg zu gehen. Deshalb umschwimme ich die Bojen immer auf der Außenbahn. Das klappte auch diesmal vorzüglich. Bis auf gelegentliche Rempler keinerlei Körperkontakt.
So verging die Zeit recht schnell bis ich schon wieder am Ausstieg war. Zwischenzeit Stoppuhr gedrückt - 25:38 Minuten. Hey, das ließ sich ja richtig gut an. Kurz darauf offizielle Zeitnahme, das heißt Armband über den Scanner ziehen. Neopren hinten aufmachen, Reißverschluss runterziehen, aaaahhh endlich wieder Luft. Im Galopp zum Zelt gerannt. Unterwegs den Beutel ohne Inhalt geschnappt. Rein ins Zelt, freien Platz gesucht. Neopren runtergepellt, der freundlichen jungen Dame in die Hand gedrückt. Bademütze und Schwimmbrille nicht vergessen. Ab zum Rad. Rein in die Schuhe, Brille auf, Helm auf, Startnummer umgehängt. Rad aus dem Ständer und ab auf die lange Strecke bis zum Ende der Wechselzone. Rauf auf’s Rad, Garmin gestartet und Zwischenzeit der Stoppuhr gedrückt. Ziemlich genau drei Minuten für den Wechsel - alles planmäßig.
Zwischenziel war nun, nach 1:45 Stunden Gesamtzeit auf der Laufstrecke zu sein. Dazu hätte es einen 32er-Schnitt bedurft. Dann schau’mer mal was geht. Beim Rothsee-Triathlon geht es zunächst bergab, was mir sehr gut gefällt. Zum einen können die Beine sich erst mal locker aufwärmen und zum anderen bekommt man von Anfang an eine hohe Geschwindigkeit vom Tacho angezeigt. Erfreut stellte ich fest, dass auch die Straßen seit meinem letzten Start vor sechs Jahren erheblich besser waren. Hier hat der Landkreis Roth doch einiges getan.
Eine weitere Feststellung betraf die Athleten. Die können nämlich in der Masse scheinbar nur flach und gerade fahren. Sobald es bergauf, bergab oder etwas enger um die Kurve ging, sammelte ich jede Menge Konkurrenten ein. Das lag aber vielleicht auch an meinen äußerst lockeren Beinen. Wieder war ich überrascht von meiner Performance. Am höchsten Punkt des Kurses hatte ich einen Schnitt von 31,7 stehen, noch jede Menge Kraft in den Beinen und dementsprechend war auch die Motivation bestens.
Hier machte ich Bekanntschaft mit Thomas Legominski, oder genauer gesagt mit der Startnummer 752. Bergab zog er immer an mir vorbei, nur um sich dann wieder überholen zu lassen. Das Spiel wiederholte sich ein paar mal. Bis ich bemerkte, dass ich begann zu überzocken. Also ließ ich ihn ziehen. Letztendlich war er im Ziel drei Sekunden hinter mir, hihi.
Auf dem letzten Kilometer durfte man nochmal einen ordentlich Berg runter fahren. Meinen Schnitt hatte ich knapp an die 34er-Grenze hochgearbeitet. Die wollte ich jetzt aber auch noch überschreiten, schließlich geht’s hier ums Prinzip. Also nochmal volle Kanne an ein paar müden Damen und Beineauschüttlern vorbeigezogen. Tatsächlich war kurz die 34 zu sehen, verschwand aber gleich wieder, weil volle Konzentration auf die Wechselzone angesagt war.
Raus aus den Schuhen, zügig zum Beginn der Selbigen hingeradelt. Garmin gestoppt, Zwischenzeit an der Uhr gedrückt. Runtergesprungen und barfuß in Richtung freier Radständer gerannt. Dort einem freundlichen Helfer das Rad in die Hand gedrückt, ebenso den Helm. Startnummer nach vorn gedreht. Weiter gerannt zum Beutel mit den Laufschuhen. Den bekam ich von einer freundlichen Helferin in die Hand gedrückt. Ab ins Wechselzelt. Schuhe angezogen. Radbrille in Beutel geworfen und weiter ging’s. Zwischendurch noch Susi aufgemuntert, die gerade das Wechselzelt verließ. Am Verpflegungsstand noch ein Schluck Wasser getrunken. Zwischenzeit gestoppt. Erstaunlich, was man in 54 Sekunden alles tun kann.
Vor dem Laufen hatte ich eigentlich wegen der Hitze am meisten Bammel. Es ging auch ein bisschen zäh los, aber nicht so schlimm wie befürchtet. Am ersten Anstieg eine taktische Pinkelpause, um den Puls etwas runter zu bekommen. Hat auch geholfen, denn von nun an hatte ich mein Tempo gefunden. Am nächsten Berg überholte ich einige, die diesen nur noch gehend bewältigten. Danach etwa ein Kilometer leicht bergab bis zu Wende. 17:32 Minuten zeigte meine Uhr beim 4-km-Schild, was ich aufgrund der Topographie und der kleinen Pause als etwas unwahrscheinlich abtat.
Nach der Wende den gleichen Weg zurück, das heißt also leicht bergauf. Hier war die kritischste Phase des ganzen Wettkampfs. Es half nur noch Tunnelblick. Den legte ich bis fast zum Ziel auch nicht mehr ab. Helmut registrierte ich nur ganz weit hinten im Hinterkopf, als wir uns begegneten. Richtig glücklich sah er nicht aus, das konnte ich noch erkennen. Irgendwann realisierte ich, dass ich wohl schon Kilometer acht passiert haben müsste. Da befand ich mich schon auf dem Bogen, der von der Pendelstrecke weg führt. Bald darauf biegt man wieder auf diese ein und dann ist es nur noch etwa ein Kilometer bis zum Ziel. Zunächst wieder in der prallen Sonne, dazu noch leicht bergauf durch eine Baustelle, was groben Schotter bedeutet. Nicht besonders angenehm zu laufen.
Die letzten paar hundert Meter waren dann das einzige längere Stück im Schatten. Beim Blick auf die Uhr stellte ich fest, dass es auf jeden Fall eine Zeit unter 2:30 Stunden werden würde. So konnte ich es locker austrudeln lassen. Kurz vor dem Ziel versuchte ich meine Vereinskollegin Petra noch zu einem Endspurt zu motivieren. Half aber nichts, sie hatte Seitenstechen und forderte mich deshalb auf, weiter zu laufen. Tat ich dann auch. Auf der Tartanbahn des Stadions war noch eine dreiviertel Runde zu laufen. Vor mir war ein älterer Herr. Ich hätte mich anstrengen müssen, um ihn noch zu überholen. Mir war ein ordentliches Zielfoto aber wichtiger, so dass ich einen Abstand zwischen ihm und mir ließ. Ist auch einigermaßen gelungen. Hier also das offizeielle Finisher-Urkunden-Foto von Compuline - Pfeiffer und Bergmann GmbH:

Finisher
Nach 2:29:08 Stunden war mein Comeback auf der olympischen Distanz beendet. Das bedeutet Platz 74 von 195 in der Altersklasse, also im vorderen Mittelfeld. Angesichts meines nicht allzu üppigen Trainings bin ich damit mehr als zufrieden. Vor allem aber damit, wie dieses Ergebnis zustande kam. Bis auf ein paar Minuten beim Laufen musste ich mich zu keinem Zeitpunkt quälen und ich hatte richtig Spaß an diesem Wettkampf. So muss es sein und so kann ich mir noch viele weitere Triathlons vorstellen.

Zusammenfassung:
Schwimmen 1500 m (vermutlich eher etwas mehr): 25:56
Radfahren 40,7 km: 1:15:49 (inkl. 2 Wechsel)
Laufen 10,3 km: 47:23
Gesamt 2:29:08
Platz AK 40: 74 von 195 im Ziel
Gesamt: 307 von 959 Männern im Ziel





Trainingsminimalist und die Folgen

4 05 2008

Überaus gut vorbereitet bestritt ich heute den Halbmarathon in Regensburg. Der geneigte Leser dieses Blogs hat das in der Vergangenheit ja mit verfolgen können. Dass die Form trotzdem stimmt, liegt natürlich an den professionellen Trainingsplänen des Herrn Greif, die ich zu 100 Prozent befolge. Na ja, zumindest fast, hüstel.
Dazu der ausgetüftelte Ernährungsplan mit exzessiven Carboloading am Donnerstag bis Samstag (Grillen mit Freunden, Mutters 70. Geburtstag am Vortag) und das passende Wetter ließen große Taten erwarten.
Irritierender Weise tat sich Samstag Mittag nach der Fahrt zur Geburtstag eine schmerzhafte Baustelle auf. Ohne Grund (vermeintlich) auftretende Schmerzen am rechten Knie, so als ob ich mir es heftig angestoßen hätte. Treppensteigen konnte ich nur noch mit Mühe und das Gehen war sehr schmerzhaft.  Großes Rätselraten, woher das kam. Am nächsten Morgen nur minimale Besserung. Na gut, fahre ich halt mal zum Start, dann sehen wir weiter.

Viel zu früh traf ich ein, holte meine Startnummer ab und verfolgte dann den beeindruckenden Zieleinlauf der Inlineskater. Danach warmlaufen, der Test, ob ich überhaupt starten würde. Die Schmerzen wurden eher geringer als heftiger, vermutlich aufgrund der besseren Duchblutung. Na, dann versuche ich es halt.
Aufstellung im Block A, was einen zügigen und relativ ungestörten Start zur Folge hatte. Nach fünf Kilometern zeigte die Uhr einen Schnitt von 4:18 Minuten. Für mein Vorhaben, unter 1:33 Stunden zu laufen, eigentlich unnötig schnell. Ich versuchte das Tempo ein wenig zu drosseln, weil ich nicht so recht wusste, was ich vom Wetter zu halten hätte. 12° beim Start, aber sonnig, es bestand die Möglichkeit, dass es noch unangenehm werden könnte. In der Folge pendelte sich das Tempo bei etwa 4:22 ein, was zu einer Zwischenzeit von 43:28 Minuten bei 10 km führte.
Kurz danach der Wendepunkt und die nächsten Kilometer zurück auf der langen und geraden Ausfallstraße mit sehr wenig Zuschauern. Die Sonne hatte wie befürchtet an Kraft gewonnen und mir die meine entsprechend aus den Beinen gezogen. Auf den folgenden Kilometern verlor ich die entscheidenden Minuten auf meine Bestzeit, der Schnitt sank immer weiter, 4:24 bei Kilometer 14, 4:25 zwei Kilometer weiter und die Beine wurden immer schwerer. Die Motivation war dahin, warum nur tue ich mir diesen Stress immer wieder an, war mein Gedanke. Kurz gesagt - Ich hatte keinen Bock mehr.
Beim siebzehnten Kilometer der Schwenk über die Donau. Die Fußgängerbrücke schwankt immer sehr dynamisch im Rhythmus der darüber laufenden Sportler. Das gab mir wohl den erforderlichen Kick, denn auf einmal ging wieder was. Doch zunächst galt es die Steinerne Brücke zu überwinden, die einzige nennenswerte Steigung des ganzen Kurses. Problemlos erreichte ich den “Hans-guck-in-die-Luft” am Zenit der Brücke und ab ging’s in die Altstadt. Auch hier war ordentlich was los und mein Elan wurde immer größer. Der wurde bestenfalls gebremst durch das hintere Feld des 10 Kilometer-Laufes, das sich nun auch auf der Strecke befand. Die Zwei-Zentner-Wonneproppen waren noch recht einfach zu überholen. Aber dann folgten die “Rookies” begleitet von ihren sie aufmunternden Lebensgefährten und die “Klatschtanten”, die in Dreierreihe und dauerquatschend dahinjoggten. Aber auch den so erzwungenen Slalom meisterte ich souverän.
Kurz vor dem Ziel wurde ich Zeuge, wie ein Konkurrent einen Orgasmus bekam. Dann noch einen. Und noch einen und bis zum Schluss noch viele weitere. So hörte er sich zumindest an. Ob dieser Standfestigkeit wagte ich es nicht, ihn mir von vorn anzusehen, obwohl ich die Möglichkeit dazu gehabt hätte. Im Endspurt ließ er mich dann endgültig stehen, bildlich gesprochen. Ob das der letzte Höhepunkt des Tages für ihn war? Ich will es nicht wissen, ehrlich gesagt.
Für einen ordentlichen Endspurt hat es bei mir dann auch noch gereicht, obwohl mein Zeitziel bei Weitem nicht mehr zu erreichen war. Am Ende war ich nach 1:34:23 Stunden im Ziel. Ich bin zufrieden, obwohl es im Duell immer noch 0:0 steht und die Bestzeit nicht gefallen ist. Bei dem Trainingsumfang, den ich betreibe, ist es erfahrungsgemäß nicht immer möglich, so ganz genau vorherzusagen, wie die Leistung ausfallen wird. Es hängt einfach zuviel von der Tagesform ab. Zu Buche stehen heute Platz 55 von 402 in meiner Altersklasse. Das ist in den vorderen 15%, so weit vorn war ich glaube ich noch nie. Insofern also doch ein Erfolg.
Und jetzt wird geradelt, schließlich ist bald Triathlon. Und da wage ich diesmal keine Vorhersage, versprochen.

Ach ja, die Schmerzen am Knie. Die haben mich erst wieder im Ziel beschäftigt. Kurios, nicht? Und auf der Heimfahrt habe ich herausgefunden, woher sie kommen. Wenn man einen Tempomat im Auto hat, kann man sein Bein entspannt im Fußraum ablegen. Bei dieser Gelegenheit stieß mein Knie auf der langen Fahrt gestern ständig an den Zündschlüssel. Dauerschläge sozusagen und dumm gelaufen. Vor allem aber nicht weiter tragisch.





Abgehakt

12 04 2008

Meine Ziele habe ich erreicht - gleichmäßig zu laufen und Wettkampfhärte üben. Ansonsten ist Crosslauf nicht mein Ding, das habe ich heute wieder einmal feststellen müssen. Mir liegt das gleichmäßige Laufen mit Blick auf die Uhr. Für den Kampf Mann gegen Mann fehlt mir der nötige Ernst.
Die Fakten. Zu laufen waren fünf sehr selektive Runden von je 1,45 Kilometer Länge. Ein starkes Gefälle ist nicht unbedingt Balsam für die Oberschenkel, der direkt anschließende Berg war so schwer wie zu erwarten war. Nur ein kurzes Stück über eine Wiese war “erholsam”, bevor es wieder leicht bergauf und -ab über rutschige Wurzeln und matschigen Waldboden ging.
Start pünktlich um 15:00 Uhr und gleich ging die Post ab. Bevor ich mich umsah, war ich schon im hinteren Feld gelandet. Doch schon bei besagtem Berg hatte sich das Feld sortiert. Ich überholte unsere schnellen Vereins-Ladys und ein paar andere Läufer, die zu schnell angegangen waren. Danach passierte erst mal zwei weitere Runden nichts. Der Abstand zu den Läufern vor und hinter mir blieb gleich und ich dachte mir, dass drei Runden für die Ergebnisliste auch reichen würden. Doch auf einmal hatte sich einer an meine Fersen geheftet. Er keuchte mir von nun an beständig in den Nacken. Ein anderer stürmte Downhill im freien Fall an mir vorbei und hatte im Handumdrehen etwa 20 Meter Vorsprung.
Während ich Ende der vierten Runde an einer engen 90°-Kurve den Nackenkeucher schlagartig los hatte, blieb der andere weiter in Sichtweite. Zentimeter für Zentimeter arbeitete ich mich nun an ihn heran. Nach etwa einem Kilometer hatte ich endlich Kontakt. Nun keuchte ich ihm in den Nacken. Aber nicht lange, denn es kam wieder die besagte 90°-Kurve. Kurzes Abbremsen und wieder beschleunigen - das gelang ihm eindeutig besser. Sofort hatte er ein paar Meter zwischen uns gebracht. “Dann lass ihn doch laufen”, war meine Reaktion. Ich hatte einfach keine Lust mehr bis zum Anschlag zu gehen. Von hinten drohte keine Gefahr mehr und außerdem war der vor mir viel jünger als ich, wie ich im Ziel feststellte. 33:40 Minuten für 7,25 Kilometer ergibt einen Schnitt von 4:38, für die Strecke ganz in Ordnung, wie ich finde.
Es war ein netter Lauf und das Kuchenbuffet im Ziel war einsame Spitze. Die Strecke war, wie schon erwähnt, sehr selektiv, aber so sollte ein Crosslauf schließlich auch sein. Mit Spikes wäre ich allerdings deutlich besser unterwegs gewesen als mit meinen Slicks. Leider war der Zuspruch nicht so wie erwartet. Rund 50 Starter ist hart an der Rentabilitäts-Schmerzgrenze. Somit ergeht hier der Aufruf an alle Leser aus der Region, nächstes Jahr diesen Lauf in ihren Wettkampfkalender aufzunehmen. ;-)

Nachtrag: Platz 9 von 12 in der AK3, hört sich schlecht an, aber 21,1% über der Siegerzeit von 27:48 ist eines meiner besseren Laufergebnisse. Letztes Jahr waren es noch 28% zum gleichen Sieger. Ergebnisliste





Osterlauf in Lohhof oder das Wesen der Hochrechnung

15 03 2008

Eigentlich hätte ich mir den Lauf sparen können. Zumindest, wenn ich nur hätte wissen wollen, was ich läuferisch drauf habe. Dazu reicht es offensichtlich, auf der Bahn ein paar schnelle Runden zu drehen und dann ist alles klar. Zur Erinnerung: Am Mittwoch war schnelles Tempo 4:07, etwas gebremsteres 4:14 Minuten pro Kilometer. Das traute ich mir auf 10 km zu, was eine Endzeit von 42:20 ergäbe. So machen es auch Meinungsforscher und Wahlhochrechner. Im Prinzip müsste eigentlich keiner zur Wahl gehen, weil vorher eh schon jeder das Ergebnis kennt. Nur ab und zu gibt’s dann eine Überraschung.
So weit, so klar. Das Wetter spielte freundlicherweise mit, 15° und wolkiger Himmel ließen kurzeTights zu, in Verbindung mit Langarm-Shirt, das dem frischen Wind geschuldet war. Pünktlich um 15:00 Uhr setzte sich die Riesenmasse von Läufern und Innen in Bewegung und es ging gleich ab wie bei der Feuerwehr. Nach einem halben Kilometer ein verstohlener Blick auf den Forerunner - 3:45! Ah, ja, schon klar. Etwas zu schnell. Die vor mir können doch nicht alle deutlich unter 40 Minuten laufen? Das gibt’s doch gar nicht. Ich bin mal wieder völlig baff.
Na gut, Tempodrosselung. Trotzdem reichte es noch zu einer sagenhaften 3:48 beim ersten Kilometerschild. Wie es weiter ging, ist aus der Tabelle ersichtlich, die ich der Einfachheit halber mal einstelle:

Pace

Man kann schön erkennen, wie ich um eine Anpassung der Geschwindigkeit bemüht war. Man weiß ja, was es bedeutet, wenn im Zeugnis steht: “Er bemühte sich.” Der Erfolg dieser Bemühung stellte sich erst in Runde drei ein. Wenigstens musste ich für die erste Runde (ca. zwei Kilometer) nicht allzu heftig büßen und den Überlebenskampf gab’ auch nicht. Erwartungsgemäß überholte mich nach etwa fünf Kilometern die Spitze in Form eines weit ausgreifenden jungen Mannes, dem keiner folgen konnte. Auch ich nicht. Nun hatte ich endlich auch das passende Tempo gefunden. Das Feld hatte sich schon lange sortiert. Überholen konnte ich nur noch wenige, dafür wurde ich auch kaum noch überholt. Außer von den ganz schnellen, aber das heißt dann ja Überrundung.
Lizzy durfte ich dann noch anfeuern, die in Runde vier an mir vorüber zog (nach hinten). Nach dem Rennen berichtete sie mir, dass ich nicht zu den Keuchern gehöre. Das bedeutet wohl, dass durchaus noch was drin wäre für mich, wenn ich mehr Wettkampfhärte hätte. Gefühlsmäßig war es heute tatsächlich weitgehend nicht am Anschlag. Ehrlich gesagt, will ich das auch gar nicht.
Am Schluss aber immerhin noch ein ordentlicher Endspurt. Eine junge Dame im Joey-Kelly-Outfit war lange Zeit vielleicht 20 Meter vor mir gelaufen. Beim letzten Knick, von wo es dann noch etwa 300 Meter zum Ziel waren, bremste sie dermaßen ab, dass ich auf einmal gleichauf war. Kurz darauf vor ihr. Ich hörte motivierende Zurufe wie: “Auf geht’s, den packst Du noch!” Sogar im Zustand der leichten Unterzuckerung erkannte ich, dass der Ruf nicht mir galt. Sonst habe ich ja keine Probleme damit, mich auf der Zielgeraden von einer Dame überholen zu lassen. Aber so geht das natürlich nicht. Davon mal abgesehen, war sie scheinbar wirklich am Ende. Langer Rede, kurzer Sinn - das Tempo der letzten 200 Meter war so schnell wie das der ersten 500. Also war meine Renneinteilung offensichtlich ganz in Ordung.
Selbstgestoppte 42:19 als Endzeit, also Punktlandung. Um die Richtigkeit meiner Hochrechnung würden mich alle Wahlforscher beneiden. Nur ich frage mich aber schon, warum ich mir diesen Stress antue, wenn es doch viel einfacher geht. Und warum ich eigentlich nie schneller bin als erwartet. So gesehen ist eine korrekte Selbsteinschätzung eher etwas Langweiliges.

Nachtrag für die Statistik:
Offizielle Zeit: 42:21 Minuten
Platzierung: 123. von 323, 21. AK 40 von 53





Ismaning II

20 01 2008

Tempomat auf 4:30 pro Kilometer einstellen und schauen, wie lange es reicht. Das war die Devise für den heutigen zweiten Teil der Ismaninger Winterlaufserie über 16,8 km. Das ganze bei 10° C und einem böigen und kalten Wind. Ich gebe zu, dass ich trainingsfaul war, zumindest aus Sicht meines Meisters Peter Greif. So war mein längster Lauf in den letzten Wochen “nur” 23 Kilometer lang und nicht wie vorgesehen 35 km. Deshalb auch die Unsicherheit, was die Ausdauer auf einer längeren Wettkampfstrecke angeht.
Nun gut, zuerst natürlich der übliche Smalltalk mit Vereinskollegen und sonstigen Bekannten. Lizzy tat wie immer sehr geschäftig, so dass nur ein paar Worte gewechselt wurden. Anschließend vier oder fünf Runden auf der Tartanbahn eingelaufen, umgezogen und im Startbereich aufgestellt. Ziemlich weit vorne, wie ich meinte. Jedoch bis zum Start hatten sich vor dem Startbanner mehrere Hundert Läufer eingefunden, so dass ich am Beginn doch wieder zehn Sekunden verlor. Aber egal, was sind schon zehn Sekunden im Lauf der Zeit. Außerdem gings auf der krummen Strecke ja nicht um Bestzeiten.
Den Tunnel nach knapp einem Kilometer passierte ich im Pulk und den Ansager bei der Kilometermarkierung hörte ich 4:53 rufen. Noch ein, zwei weitere Kilometer in der Masse auf dem Fahrweg entlang der Isar und dann hatte sich das Feld soweit gelichtet, dass an ein gleichmäßiges und vor allem mein Tempo zu denken war.
Ich war gut drauf und musste mich eher bremsen. “Hey, Ulrich, 4:15 ist zu schnell, das hältst Du nicht durch!” Der Wind kam von hinten, so dass es auch deshalb leichter ging. Nach sechs Kilometern die Verpflegungsstelle, die von vielen genutzt wurde. Mir ist es immer ein Rätsel, wie man nach so kurzer Zeit schon so Durst haben kann. Oder man auf so einer Distanz einen Trinkgürtel benötigt. Ich ließ mich nicht aus dem Rhythmus bringen und bog zackig auf der Innenbahn um die Ecke, weg von der Isar.
Bei  Kilometer sieben hatte sich die Durchschnittszeit bei stabilen 4:27 eingependelt und dabei sollte es auch zunächst bleiben. Nach einem weiteren Bogen nach etwa neun Kilometern ging es nun zurück auf den Fahrweg in Richtung Ismaning. Logischerweise kam der Wind jetzt von vorn, was ich allerdings vor allem daran merkte, dass sich einige Gestalten in meinen Windschatten hängten. Obwohl die Bäume die meiste Zeit Windschutz gaben, wurde es zunehmend schwerer, den Schnitt zu halten.
Zehn Kilometer in 44:30. Zehn Sekunden schneller als beim letzten Lauf. Aber die Beine vergleichsweise wesentlich lockerer. Also alles im Lot. Die zweite Verpflegung ließ ich wieder links liegen. Inzwischen bildete ich mit zwei anderen Kollegen einen flotten Dreier, der sich einen Läufer nach dem anderen schnappte. Den Runner’s-World-Fotografen sah ich zu spät um noch ein freundliches Lächeln zustande zu bringen. Ab Dienstag sollen die Fotos angeblich online sein, da kann bei Bedarf nachgesehen werden, wie dem Ulrich die Zunge aus dem Hals hängt.
Bei Kilometer 15 kam eine kleine Rampe, an der ich brachial hochdüste. Was nicht mehr heißt, als dass ich versuchte nicht langsamer zu werden. Einer meiner Mitstreiter musste nun abreißen lassen, zumindest hörte ich nur noch ein Pfeifen bei jedem Atemzug, so wie bei leichtem Asthma. Den anderen verlor ich kurz darauf aus den Augen, allerdings nach vorne. Aber egal, das Tempo passte und zu einem langen Endspurt hatte ich keine Lust.
Kilometer  16 - 1:11:19. Hm, mal kurz überschlagen: 4:30 minus zweimal 27 sind 3:36 plus 1:11:19 ergibt 1:14:55. Alles klar, Ulrich freut sich, besser als meine geplante Zeit von 1:15 irgendwas. Um kein Risiko einzugehen beschleunigte ich doch noch ein bisschen. Und das war gut so, denn trotz einer 4:16 auf dem letzten (Forerunner-)Kilometer gab es eine Endzeit von genau 1:14:53. Hochgerechnet auf den Halbmarathon, der heute in dem Tempo auch möglich gewesen wäre, eine 1:34er Zeit. Im Januar! Ha, da geht noch was.
Am 24. Februar ist der nächste Lauf. Da muss ein schnellerer Schnitt her. Genauer gesagt um vier Sekunden. Das wäre dann knapp unter 1:33 und somit Bestzeit. Was aber noch viel wichtiger ist: Charly wäre im Zugzwang, weil es dann 1 : 0 steht in unserem Vergleich. Und das schon im Februar. Da fällt Dir nichts mehr ein, gell!





Ismaning I

9 12 2007

Irgendwie hatten alle etwas dagegen, dass ich heute in Ismaning beim ersten Lauf der Winterlaufserie starten wollte. Zuerst mein eigener Körper. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag war es mir speiübel, am Morgen kam ich gar nicht erst aus dem Bett. Zum Glück hatte meine Frau Urlaub und konnte so den Junior in den Kindergarten bringen. Seltsamerweise verzog sich die Übelkeit relativ schnell wieder. Dass es keine Magenverstimmung war, wurde am Nachmittag deutlich, als der Kleine aus dem Kindergarten kam und ebenfalls über Bauchschmerzen klagte. Wenig später setzte er das Zimmer unter … na wie sagt man? Ihr wisst schon - sehr angenehm, aber wenigstens ging es ihm dann wieder besser.
Gestern dann der nachgeholte Nikolausbesuch, der erste in meines Sohnemanns Leben. Er erkannte sogleich den Knecht Rupprecht als den für die bösen Kinder zuständigen und verpfiff erst mal seinen Vater: “Der Papa hat mich gekneift!!!!” Zum Glück gings mit ein paar leichteren Rutenhieben ab.
Dann das Wetter. Geweckt wurde ich durch den an die Scheibe prasselnden Regen. Trotzdem kam ich relativ leicht aus den Federn, nicht ohne den strafenden Blick meiner Frau zu übersehen. Zwei Vereinskolleginnen wollten mit fahren. Die eine jedoch hatte sich am Vortag schon wegen Krankheit abgemeldet. Die andere rief um halb acht an und teilte mit, dass sie doch nicht mitfahren könne, weil sie erkältet sei. Toll. Nun war meine Motivation auf dem Tiefpunkt und ich wäre tatsächlich zu Hause geblieben. Aber die Liebste hat mich letztendlich fort geschickt und so wurde es doch noch etwas für mich mit der Laufserie.

Beim vereinbarten Forumstreffpunkt fand sich wieder mal nur Lizzy samt Anhang ein, die sicher wieder ein paar Fotos in ihrem Blog veröffentlich wird. Der Lauf gestaltete sich dann recht ordentlich. Nach bereits zehn Sekunden war ich über der Startlinie. Nun ging es weiter inspiriert vom Tempomat unseres Autos. Sehr konstant knapp unter 4:30 Minuten pro Kilometer. Die Beine fühlten sich gut an und wahrscheinlich wäre es sogar noch schneller gegangen. Aber ich wollte nichts riskieren, nach dem üblen Freitag. Ich beschloss, zehn Kilometer so zu laufen und dann das Tempo etwas rauszunehmen. Nach anfänglich trockenem Wetter hatte es nun wieder zu regnen begonnen. Ich hatte keine Lust, bei diesen Bedingungen hinterher noch auszulaufen.
So kam ich mit einer Durchgangszeit von 44:40 Minuten beim 10-km-Schild an. Die Beine wurden allmählich doch ein bisschen schwer, was ich auf den Infekt schob. Also Tempo reduziert und nach 57:35 Minuten (selbstgestoppt) oder 12,7 km war ich im Ziel.

Schnell umgezogen, je zwei Becher Tee und Lebkuchen verdrückt, ab ins Auto und um 12 Uhr war ich schon wieder daheim. Frau und Sohn freuten sich und ich finde solche Kurz-und-Schmerzlos-Aktionen auch ganz prima.





Oh wie schön ist Berlin

1 10 2007

Um es gleich vorweg zu nehmen, mit Sub 3:30 hat es nicht geklappt. Aber das macht mir gar nichts aus. Zum einen, weil ich es ohnehin nur für einen absolut perfekten Tag erwartet hätte. Zum anderen war auch so der coolste Marathonlauf für mich bisher.
Ich will dem Leser den üblichen Vorlauf ersparen mit Aufstehen, Frühstück, Anfahrt usw. Das Bloggertreffen sei noch kurz erwähnt am Abend vorher. Die Manu konnte das Restaurant leider nicht erreichen, weil für das Skaterrennen die Innenstadt abgesperrt war. So fehlten ein paar starke Esser, da Hase, Charly und ihr Gastgeber sich vornehm zurückhielten. Die Pizzen waren nämlich Wagenradgroß und nachdem ich zusätzlich zu meiner noch die Hälfte der Pizza meiner Frau gegessen hatte, musste ich bei der von meinem Sohn passen. Carsten schaute noch kurz herein und wir wünschten uns viel Erfolg. Hoffentlich ist es ihm gut ergangen.
So war ich immerhin gut gestärkt für die kommende Aufgabe. Der Start war beeindruckend. Zunächst der erste Block, in dem Haile sich zu seinem Weltrekord aufmachte. Ein paar Minuten später überquerte ich die Startlinie und drückte die Starttaste meines Forerunners. Nur um kurz darauf festzustellen, dass die Anzeige eingefroren war. Also Reset und wieder einschalten, etwa eine halbe Minute, die ich nun zur angezeigten Zeit dazu rechnen müsste.
Vermutlich die anstrengende Anfahrt, Schlafmangel und die stressige Startunterlagenabholung mit einem Dreijährigen im strömenden Regen führten wohl dazu, dass ich zunächst schwere Beine hatte und mich eigentlich eher ins Bett wünschte als einen Marathon zu laufen. Trotzdem fand ich mein Tempo, ohne mich groß anstrengen zu müssen. Allerdings bewegte sich das bei rund 4:55 pro Kilometer. Mir war klar, dass es damit ziemlich unwahrscheinlich werden würde, die 3:30 zu knacken.
Am Tiergarten wollte erst mal die Blase ihr Recht, nachdem sie die lange Wartezeit im Startblock klaglos hingenommen hatte. Ich lief ohne Brille, was dazu führte, dass die Brennnesseln im Gebüsch die Durchblutung meiner Waden förderte. Merke: Immer Dixie benutzen, auch wenn es für Männer im Wald einfacher ist.
Zum Forerunner muss ich leider sagen, dass er nur eingeschränkt Wettkampftauglich ist. Die Gesamtstreckenlänge ermittelte er mit 42,6 km, die einzelnen Streckenabschnitte (5 km) stimmten nie mit der Beschilderung überein. Straßenbahnoberleitungen mag er nicht, Brücken sowieso. So ging ich relativ schnell dazu über, nur noch nach Gefühl zu laufen und das war gut so.
Bei km 20 jubelten mir Frau und Sohn zu, alles lief nach Plan. Halbmarathon in 1:44 und ich fühlte mich gut. An der Verpflegung bei km 25 ein Gel eingeworfen und es mit zwei Bechern Wasser ertränkt. Die folgenden Kilometer liefen wie am Schnürchen bis es mir ab etwa 30 km schlecht wurde und der Kreislauf etwas schwächelte. Gerade hier traf ich meine Fans wieder und meine Frau machte sich einmal mehr große Sorgen wegen meines leidenden Aussehens.
Aber bald darauf hatte ich mich wieder erholt. Natürlich schmerzten jetzt die Beine, aber hey, ich war schon bei 35 km. Was hatte ich hier schon für Dramen und Einbrüche erlebt. Diesmal nichts. Kurze Gehpausen bei den letzten beiden Verpflegungsstellen um ordentlich trinken zu können. Die Geschwindigkeit hatte sich auf etwa 5:10 reduziert, trotzdem würde es eine super Zeit werden. Unter den Linden, der letzte Kilometer. Kurzer Blick auf die Uhr - 3:30 Stunden plus die etwa 30 Sekunden vom Anfang - oh Gott, da muss eine Tempoverschärfung her, dann wird es noch eine Bestzeit. Den Sprint nur nicht zu früh anziehen, damit ich nicht kurz vor dem Ziel den sterbenden Schwan geben muss.
Dann sah ich endlich das Brandenburger Tor, 3:32 zeigte die Uhr. Zeit für einen brachialen Endspurt. Ich mobilisierte sämtliche Reserven, um im Ziel eine Zeit von 3:34:37 angezeigt zu bekommen. Völlig am Ende, mit Beinen, die kurz vor der Explosion standen, wusste ich nun nicht, ob es Bestzeit war oder nicht. War mir in dem Moment allerdings auch eher egal. Es war der kurzweiligste Marathon in meiner Karriere, der Hammermann hatte mich zum ersten Mal nicht getroffen und nach der durchwachsenen Vorbereitung war das alles nicht unbedingt zu erwarten gewesen.
Nach etwas Erholung auf der Wiese vor dem Reichstag quälte ich mich zum Hauptbahnhof und fuhr in mein Quartier zurück. Dort erhielt ich die Nachricht, dass meine Nettozeit 3:35:11 sei. Hm, ist das jetzt Bestzeit oder nicht? Dazu muss ich erst in meine Unterlagen schauen, die zuhause liegen. Wenn ich sie verbessert habe, dann nur um ein paar Sekunden. Aber immerhin bin ich seitdem 11 Jahre älter und deswegen ist das Ergebnis sicher höher zu bewerten.
Fazit: Es war ein hervorragend organisierter Wettkampf, der wegen der Menschenmassen vielleicht nicht jedermanns Sache ist, den man aber wenigstens einmal gelaufen sein sollte. Mit meiner Leistung bin ich mehr als zufrieden und nicht zuletzt habe ich den rennenden Hasen und den Charly persönlich kennengelernt, was mich sehr gefreut hat.
Jetzt, am nächsten Tag, habe ich noch nicht mal Muskelkater. Auch keine schmerzende Achillessehne oder Blasen an den Füßen. Wann war nochmal der nächste Marathon?

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Kerstin / Website (1.10.07 13:49)
Herzlichen Glueckwunsch zum gelungenen Marathon!
Muss ein irres Gefuehl sein, im gleichen Rennen zu laufen in dem ein neuer Weltrekord aufgestellt wird.
Und die grossen Mengen Pizza sind zusammen mit dem Gel sicher dafuer verantwortlich, dass du nicht eingebrochen bist.
Ich sag’s ja immer: Ordentlich essen und dann wird das was!
Ein sehr schoener Bericht.

(1.10.07 19:49)
Mir hat der Bericht auch gut gefallen! Finde ich schön, wenn die Familie so miteinbezogen wird und alle an einem Strang ziehen. Herzlichen Glückwunsch auch zu der gelaufenen Zeit, egal ob PB oder nicht. Trotzdem, hast denn nun geschaut in den Unterlagen?
Gruß, Michi

Charly / Website (1.10.07 21:57)
Super Uli. Das lief ja richtig gut. Glückwunsch zur Bestzeit. Das ist ja stark ohne Krämpfe,ohne Hammermann, einfach grinsend zur Bestzeit. Super.
War schön euch kennen zu lernen. Schade dass es mit dem Treffen nicht geklappt hat am Sonntag

Uli (1.10.07 22:14)
Grinsend ist ziemlich übertrieben, war eher so
Bei Euch ist es recht gut gegangen, schließe ich zumindest aus den gleichmäßigen Zeiten. Bin schon gespannt auf Eure Berichte. Respekt vor allem vor Kerstin - 3 Marathons in einem Jahr als “Anfängerin”, nicht schlecht.
Gute Erholung nochmals von dieser Stelle.

Hase / Website (2.10.07 08:54)
Ach Uli, das klingt so schön. Ich finde das so super. Und ich kann es so nachvollziehen - genauso habe ich mich nach meinem zweiten Marathon auch gefühlt, dieses “Wann ist der nächste”-Gefühl
Leider ist es bei mir diesmal eher ein “Das war dann wohl mein letzter”-Gefühl
Herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Leistung!
Ich freue mich ehrlich für dich, und es war so nett, euch zu treffen.

Manu / Website (2.10.07 11:11)
Hallo Uli,

so bedauerlich ich es finde, dass sich die ganze Stadt gegen unser Treffen verschworen hatte, so sehr freue ich mich über Dein tolles Ergebnis!
Das ist doch ein echter Kracher, 3:35 trotz suboptimaler Vorbereitung deuten darauf hin, dass der Traum sub 3:30 noch längst nicht ausgeträumt ist. Außerdem hast Du Deine Form über die Jahre bestens konserviert, da sieht man mal, wie man dem Zahn der Zeit ein Schnippchen schlagen kann.
Ach, aber ich war wirklich so traurig, nun auch Deinen Zwockel und deine Frau nicht kennenzulernen - andererseits war es vielleicht auch besser so, sonst hätten wir Euch noch die Pest, die wir hatten, weitergereicht. Hatte also alles möglicherweise einen tieferen Sinn, und aufgehoben heißt hoffentlich nur aufgeschoben!!! Auf das nächste Treffen,
liebe Grüße an alle und nochmal Glückwunsch und Applaus an Dich!!!

Reiner / Website (2.10.07 18:31)
Gratulation zu einem klasse Rennen!


Lars / Website (2.10.07 23:22)
Hi Uli,

Gratulation zu dem prima Ergebnis, ist doch wirklich super gelaufen. Und Du hast Recht, der Marathon in Berlin ist einfach nur cool. Vielleicht nächstes Jahr sogar wieder. Fehlt nur noch ein Lauf im Frühjahr… aber die Planungen laufen schon

Schöne Grüße
Lars

 





Schwach anfangen …

29 07 2007

… und dann stark nachlassen war das Motto für mich beim 5. Mainburger 24-Stunden-Schwimmen dieses Wochenende. 456 Teilnehmer bedeuteten einen neuen Rekord wie auch die insgesmt von allen zurückgelegte Strecke von 3750 km. Das ist in etwa so weit wie von Rotterdam über Rhein-Main-Main-Donau-Kanal-Donau ins Schwarze Meer.
Mitten drin der kleine Uli mit immerhin sieben Trainingseinheiten seit Januar - also einer praktisch nicht existenten Schwimmform. Deshalb durfte ich auch in der zweiten Mannschaft unseres Vereins schwimmen mit der Vorgabe von insgesamt sechs Kilometern.
Wie läuft das nun ab?
Man meldet sich an (als bis zu 12-köpfige Mannschaft, Familie oder Einzelperson) und von Samstag 11 Uhr bis Sonntag 11 Uhr hat man dann Zeit, so oft und lange zu schwimmen wie man kann oder möchte. Die Offiziellen am Beckenrand führen eine Strichliste, um die zurückgelegte Strecke zu dokumentieren. Am Schluss wird alles zusammengezählt und man erhält eine Urkunde und eine Medaille (oder auch nicht). Zeit wird natürlich keine gemessen, es zählen einzig und allein die zurückgelegten Kilometer.

1. Akt der Vorstellung des Ulrich, Beginn Samstag 14:30 Uhr.
Mit der Erinnerung im Kopf, dass ich früher mal 35 Minuten für zwei Kilometer benötigte, wenn ich locker schwamm, ging es gleich recht zügig zur Sache. Das sollte sich als fatal herausstellen, denn die ersten 1000 Meter waren zwar in rund 19 Minuten noch recht passabel. Für die zweiten benötigte ich deutlich länger, so dass am Ende 41 selbstgestoppte Minuten herauskamen. Schlimmer war aber, dass meine Arme absolut leer waren, so wie ich es noch nie erlebt habe. Das konnte ja heiter werden. Irgendwie schaffte ich es, mich auf den Beckenrand zu wuchten und anschließend meine geschwommenen Kilometer im Mannschaftszelt fürs Protokoll bekannt zu geben. Die anderen waren alle nicht unter drei Kilometer geblieben.

2. Akt: Beginn Samstag, 18:00 Uhr.
Nach Beaufsichtigung unseres Kleinen, während meine Frau schwamm und die Ziehtochter ihre fünf Kilometer vollendete, durfte ich wieder ran. Neue Taktik, neues Glück. Die Uhr lief nur noch zu Kontrollzwecken mit. Alle 400 Meter Zwischenzeit gestoppt und somit die Gesamtstrecke in überschaubare Etappen zerstückelt. Die Geschwindigkeit pendelte sich auf 9 bis 9:30 Minuten pro 400 m ein, ein Tempo, das zwar lächerlich ist aber hier recht verträglich war. So schaffte ich weitere zwei Kilometer (wobei nur 1900 gewertet wurden), ohne Kräftemäßig am Ende zu sein. Die Kälte war nun eher das Problem sowie sich nach und nach verstärkende Schmerzen am Hand- und Sprunggelenk.

3. Akt: Beginn Samstag 23:00 Uhr.
Der Sohnemann war ins Bett gefallen, nachdem er sich im Freibad endgültig verausgabt hatte. Meine Frau schlummerte auch schon, so dass ich in Ruhe die nächste Runde angehen konnte. Trotz des von der Feuerwehr aufgestellten Flutlichtmasten entwickelte das Schwimmen in der Dunkelheit einen eigenen Reiz. Die Musik der Disco wurde aus Lärmschutzgründen beendet, es war nun still und die Schwimmer zogen ruhig ihre Bahnen.
Meinen Rhythmus von rund neuneinhalb Minuten hielt ich bei, wie von einem Autopiloten eingestellt. Seltsamerweise ging es immer leichter. Keine Schmerzen mehr, Kräftemäßig kein Problem. Nach etwa zwei Kilometern setzte ein heftiger Regen ein, der kälter als das Wasser im Schwimmbecken war, und mir den Rücken kühlte. Schwimmen im Regen ist auch etwas eigenartig, wie ich finde.
Nach drei Kilometern beendete ich diesen Akt, weil ich steif gefroren war. Ich wuchtete mich aus dem Becken und wacklig wie ein Fohlen bei seinen ersten Schritten nahm ich meinen Schwimmzettel entgegen. Der Rest der Mannschaft hatte beim einsetzenden Regen fluchtartig das Feld geräumt. Zum Glück, denn ich war nun froh, ins Bett zu kommen und mich an meiner Frau zu wärmen. Die aber war nicht so begeistert, meine kalten Gräten an ihrem Leib zu spüren. Verrückt fand sie mich vorher schon.

4. Akt, Sonntag 9:30 Uhr.
Lust hatte ich keine mehr. Nicht nur das, es war ein richtiger Widerwillen davor, in das kalte Wasser zu springen. Dazu kam ein sehr heftiger Muskelkater in den Armen und der Schulter. Susi empfing mich mit den Worten: “Hey, super, dass Du noch kommst, wir haben 900 m Vorsprung vor dem vierten Platz!”
Was bleibt da anderes übrig, als sich umzuziehen und ins Nasse zu hüpfen. Dieser Akt war dann, dank der erholsamen Nacht (unser Kleiner hatte uns freundlicherweise bis um acht Uhr schlafen lassen) und eines üppigen Frühstücks, der leichteste.
Das Tempo war mit neun Minuten pro 400 Meter sogar etwas zügiger. Nun hatte ich den Ehrgeiz, doch noch die zehn Kilometer voll zu machen. Doch nach zwei Kilometern der Blick auf die Uhr - 10:40 Uhr, nur noch 20 Minuten. Normal kein Problem, in dieser Zeit 1000 m runterzupaddeln. Aber 2,5 mal 9 Minuten ergibt nun mal mehr als 20 Minuten. So beschloss ich, es bei 2600 m gut sein zu lassen. Macht insgesamt 9500 offiziell geschwommene Meter. Das reichte für Platz 15 von 24 in der Triathlon-Vereinswertung. Unser bester Mann hatte über 24 km zu Buche stehen, gefolgt von der besten Frau mit über 22 km.

Unsere Mannschaft erreichte Platz drei mit 117 km, Platz zwei ging mit 170 km an die erste Mannschaft. Die Sieger hatten über 240 km.
Der beste Mann insgesamt schwamm sagenhafte 51,9 km, die beste Frau über 40 km. Verständlich, dass beide bei der Siegerehrung nicht mehr anwesend waren.

Zusammenfassend kann man sagen:
Eine sehr schöne Veranstaltung für die ganze Familie mit viel Rahmenprogramm, sagenhaftem Preis-Leistungsverhältnis (5 € Gebühr), einwandfreier Organisation. Das Schwimmen ohne Zeitdruck macht Spaß und es ist erstaunlich, wie weit man auch ohne Training an einem Tag kommen kann. Und nächstes Jahr wird vorher trainiert, versprochen.





Regensburg (Halb)Marathon

24 05 2007

Es war heiß! Zwar nicht so richtig wie man mit Blick auf das Thermometer feststellen konnte. Eigentlich eher angenehme 24° C im Schatten. Dumm nur, dass in Regensburg große Strecken in der Sonne gelaufen werden.
Für mich war am Start schon klar, dass es mit der Bestzeit wieder nichts werden würde, da ich weiß, dass ich bei Hitze deutlich langsamer laufe. Trotzdem sprintete ich erst mal zackig los, nur um nach vier oder fünf Kilometer festzustellen, dass das sehr gewagt war. Dann gings mir erst mal ziemlich schlecht und nur die Aussicht, nicht zum Auto zu finden, das irgendwo in Regensburg parkte, hielt mich davon ab, den Kram hinzuschmeißen.
Doch dann hatte ich mein Tempo gefunden. An jeder Verpflegungsstelle schüttete ich mir Wasser über und in den Kopf. So war ich zwar am Schluss patschnass aber ertrug die Hitze wenigstens einigermaßen. Wieder einmal bedauerte ich die Marathonläufer, die sich die trostlose Strecke durch ein Regensburger Gewerbegebiet antun mussten. Bei der Wende der Halbmarathonis liefen wir zusammen mit den anderen. So manche Gruselgestalt konnte ich da bewundern. Vor allem zwei sind mir im Gedächtnis geblieben, die auf der Halbmarathonstrecke unterwegs waren und hier im Rahmen der Europameisterschaft, die eine halbe Stunde vor uns gestartet wurde.
So nach drei vier Kilometern überholte ich eine alte Frau, gefühlt W95, die gebückt und in einem sehr langsamen Geh-/Laufstil dahintrottete. Ich weiß nicht, ob sie das Ziel erreichte. Ich finde es im allgemeinen ja toll, wenn alte Herrschaften an so einem Rennen teilnehmen. Aber bei dieser Frau hatte ich wirklich nicht das Gefühl, dass das eine gute Idee war. Ebenso wie bei einem Herrn, den ich gegen Ende des Laufes überholte. Dieser schob einen gewaltigen Bauch vor sich her über dem ein dunkelroter Kopf thronte. Im Ziel hörte ich noch, dass gerade der 105-kg-Mann einliefe. Das kann ich auch nicht so ganz nachvollziehen wie man seine Gesundheit so aufs Spiel setzt. Überhaupt heulten ab etwa 11.00 Uhr pausenlos die Sirenen der Krankenwagen. Hitze vertrage scheinbar nicht nur ich nicht gut.
Mein Fazit: Meine Endzeit war 1:40 irgendwas und das Unternehmen Bestzeit somit erneut grandios gescheitert. In mir ist die Erkenntnis gereift, dass ich von nun an Trainingsplan Trainingsplan sein lasse und nur noch nach meinem eigenen Dafürhalten trainieren werde. Ausnahmslos haben bisher alle Traingspläne im Training hervorragend funktioniert was Vorgabezeiten und Distanzen anbelangt. Nur im Wettkampf habe ich nichts davon bemerkt. Meine bisherigen Bestzeiten im Marathon, Halbmarathon, Triathlon habe ich gänzlich ohne Trainingsplan erreicht bzw. waren Abfallprodukte der Ironman-Vorbereitung.
Zudem habe ich nicht mehr den Biss früherer Zeiten, wohl eine Spätfolge der letztjährigen Roth-Aktion. Für Berlin habe ich mir nun einen entspannten Lauf vorgenommen, ohne feste Vorgabezeiten. Obwohl, schneller als Manu wollte ich schon sein ;-)





Halbmarathon Ingolstadt - Bericht

6 05 2007

Halbmarathon Ingolstadt - Bericht

Der Tag begann, wie er eigentlich nicht beginnen sollte. Kopfschmerzen, ein Grummeln im Bauch wie schon die letzten Tage auch und beim Treppe heruntergehen ein Gefühl in den Oberschenkeln wie nach einem Tempolauf am Vortag. Na, das kann ja was werden.
Wenigstens das Wetter spielte mit. Ein wenig Regen in der Nacht hatte die freifliegenden Pollen vertrieben, so dass von der Seite nichts zu erwarten war. Mit Günther hatte ich mich verabredet um mit ihm nach Ingolstadt zu fahren. Auf der Fahrt konnten wir beobachten, dass sich etwas südlich von uns ein Gewitter breit gemacht hatte. Doch eine halbe Stunde vor dem Start riss der Himmel auf und zeigte sich fortan in den bayerischen Landesfarben weiß und blau. Ideales Laufwetter eigentlich.
Meine Kopfschmerzen hatten sich glücklicherweise verzogen, der Magen sich auch wieder beruhigt. Und die Oberschenkel? Na, schau mer mal.
Der Start pünktlich um 17.00 Uhr. Zu den Klängen von AC/DCs “Highway to Hell” startete ich mein Unternehmen Bestzeit. Der erste Kilometer ziemlich im Gedränge und deshalb mit 4:28 auch nicht zu schnell, was aber in Ordnung geht. Allmählich lichtete sich dann das Feld etwas und ich hatte Platz, um mein Tempo zu laufen. Nach zwei Kilometern piepste der Forerunner wieder und ich traute meinen Augen kaum - 4:13. Hey, Ulrich viel zu schnell! Dass der nächste Kilometer genauso werden würde, ließ sich durch ein Gefällestück erklären. Sieht also ziemlich nach Taktik-Variante 1 aus.
Nun also Disziplin. Und das klappte auch einigermaßen auf dem nächsten Kilometer in 4:17, Gesamtzeit 17:11 Minuten. Mal mit der offiziellen Markierung vergleichen. Aber die kommt nicht. Habe ich die übersehen? Doch, da hinten ist das Schild. 17:32 sagt mein Blick auf die Uhr. Wie gibts das? Das sind 4:23 im Schnitt, also gerade mal eine Sekunde unter dem Plan. Und dafür laufe ich nicht locker genug, definitiv. Enttäuschung macht sich breit, auch über mein Hightech-Gerät, das hier scheinbar überfordert ist, trotz angezeigter Genauigkeit von 6 Metern.
Aber ich wäre nicht ich, wenn ich die Flinte gleich ins Korn werfen würde. In der Hoffnung auf ein Wunder versuchte ich das Tempo hoch zu halten. Bei Kilometer sechs hatte ich tatsächlich einen (offiziellen) Schnitt von 4:21. Doch nun kam der Wind von vorn. Kilometer acht - Schnitt 4:24, zehn Kilometer waren nach 44:25 Minuten erreicht, also 4:26 Schnitt. Somit war eine Gesamtzeit von unter 1:33 Stunden Utopie. Der Forerunner zeigte übrigens 43:40 an. Auch das wäre es noch eng geworden, aber da hätte ich mich noch geschunden bis zum Schluss. So aber verließ mich die Lust, zumal mir auch noch übel wurde und ich zeitweise das Gefühl hatte, mal in die Büsche zu müssen. Ich beschloss die Stoppuhr Stoppuhr sein zu lassen und nur noch nach Gefühl zu laufen. Irgendwas würde schon dabei rauskommen. Das Tempo pendelte sich (im Nachhinein betrachtet) bei rund 4:45 ein. Die Anstrengung hielt sich in Grenzen, die Übelkeit verschwand nach und nach und ich konnte auch das Flair des Laufes wieder genießen. Auf die Einzelheiten der zweiten Hälfte der Strecke will ich nicht näher eingehen, da alles recht ereignislos ablief. Nach 1:37:19 war Schluss in diesem Halbmarathon, der laut Garmin 21,43 Kilometer lang war.
Günther war auch bald im Ziel und freute sich über seine Zeit von 1:43. Allerdings nur bis zur Siegerehrung, wo er erfahren durfte, dass er damit nicht mal die M70 gewonnen hätte.
Am Buffet traf ich meinen Vereinskollegen Hans, der auch mit dem Forerunner gelaufen war. Sein Lauf war genau 21,45 Kilometer lang. Das spricht nun aber schon dafür, dass die amtlich vermessene Strecke amtlich falsch vermessen wurde. Und das ärgert mich. Das kann doch nicht so schwer sein, da muss ich mal nachfragen. Und vor allem rückt das meine Zeit vom letzten Jahr in ein ganz anderes Licht.
Ansonsten war es ein schöner Lauf mit vielen Zuschauern, den ich natürlich jederzeit weiter empfehlen kann und auch wieder mitlaufen werde. Es war gestern nicht mein Tag und dass ich trotzdem eine 1:37 (bereinigt 1:35) gelaufen bin spricht für eine gute Form. Jetzt gehe ich in mich und überlege, ob ich in zwei Wochen noch einen Versuch in Regensburg starten soll. Das hängt aber zum großen Teil von meiner Achillessehne ab, die gestern nach dem Lauf doch sehr schmerzte.

Allen meinen Lesern danke ich fürs Daumendrücken und für die guten Wünsche im Vorfeld. Wer weiß, wie das Rennen ausgegangen wäre wenn es Euch nicht gäbe.

Nachtrag: Gestern habe ich noch mit einem weiteren Garmin-Nutzer gesprochen. Auch er hatte 21,4 km auf seinem Forerunner stehen. Auf Nachfrage beim Veranstalter wurde ihm bestätigt, dass die Strecke 300 m länger ist als angegeben. Davon der Großteil auf den ersten vier Kilometern verteilt. Das entspricht dann genau dem, was ich vermutet habe. Hiermit entschuldige ich mich in aller Form für meine Zweifel am Forerunner.