Comeback
30 06 2008Für einen reinen Läufer ist die Gewöhnung an die Logistik die Herausforderung beim Triathlon. Zumal wenn die Wechselzone 1 nicht gleich der Wechselzone 2 ist, wie beim Rothsee-Triathlon der Fall. Wenn man dann noch am Vorabend beginnt, sich Gedanken zu machen, was man alles benötigt, kann das durchaus stressig werden.
Also Beutel 1, der wasserdicht sein muss. Hier kommt nach dem Schwimmen der Neopren rein sowie die Bademütze und Schwimmbrille. Beutel 2 - Laufsachen. Rucksack für die Sachen, die vor dem Wettkampf abgegeben werden und solche, die nachher gebraucht werden. Am Fahrrad müssen Helm, Radschuhe und Startnummer liegen, die Brille darf dort sein.
Es könnte auch nicht schaden, vorher einen Blick auf die Ausrüstung zu werfen. Dann könnte man zum Beispiel feststellen, wenn der Helm einen Sprung hat. Es bringt nur unnötige Hektik in die Zeit vor dem Start, wenn man vom Kampfrichter aufgefordert wird, sich einen anderen Helm zu besorgen. Zum Glück war der örtliche Fahrradhändler extra vor Ort, um Dilettanten wie mir aus der Patsche zu helfen.
Zu guter Letzt war aber doch alles am Platz und endlich war etwas Zeit für Small-Talk. Stephan erwischte ich beim Fahhrrad - kurzes Hallo und Vorstellung, aber mehr ging in der allgemeinen Betriebsamkeit unter. Ausführlich mit Pit und Verena, meiner Studienkollegin. Beide langjährige Triathlon-Veteranen und mittlerweile als Kampfrichter unterwegs. Ein längeres Gespräch mit Helmut, meinem Triathlon-Blogger-Zögling, Newcomer und angehender Ironman (kann man das so sagen?). Insgeheim hatte er sich wohl schon etwas ausgerechnet für unser erstes direktes Duell. Leider war es nicht sein Tag, warum, bitte ich in seinem Blog nachzulesen.
9:35 Uhr, endlich durfte ich mich in den Neopren zwängen. Bei über 20° C eine ziemlich schweißtreibende Angelegenheit. Irgendwie passte er auch nicht, am Hals viel zu eng. Oder ich habe das inzwischen, nach zwei Jahren ohne Triathlon, einfach vergessen. Ich war in der sechsten Startgruppe, meine Vereinskollegen waren schon lange im Wasser. Was nur soviel bedeutet, dass es sich entweder um Frauen handelt oder Athleten weit jenseits meiner Preisklasse.
Ich konnte nicht so recht einschätzen, wie es um meine Schwimmform bestellt war. Deshalb lag die Priorität auf lockerem Schwimmen. Umso überraschter war ich, wie locker es ging. Zwar störte mich die Enge am Hals die ganze Strecke, aber es hinderte mich nicht am munteren Dahinpaddeln. Ich ziehe es vor, dem Trubel aus dem Weg zu gehen. Deshalb umschwimme ich die Bojen immer auf der Außenbahn. Das klappte auch diesmal vorzüglich. Bis auf gelegentliche Rempler keinerlei Körperkontakt.
So verging die Zeit recht schnell bis ich schon wieder am Ausstieg war. Zwischenzeit Stoppuhr gedrückt - 25:38 Minuten. Hey, das ließ sich ja richtig gut an. Kurz darauf offizielle Zeitnahme, das heißt Armband über den Scanner ziehen. Neopren hinten aufmachen, Reißverschluss runterziehen, aaaahhh endlich wieder Luft. Im Galopp zum Zelt gerannt. Unterwegs den Beutel ohne Inhalt geschnappt. Rein ins Zelt, freien Platz gesucht. Neopren runtergepellt, der freundlichen jungen Dame in die Hand gedrückt. Bademütze und Schwimmbrille nicht vergessen. Ab zum Rad. Rein in die Schuhe, Brille auf, Helm auf, Startnummer umgehängt. Rad aus dem Ständer und ab auf die lange Strecke bis zum Ende der Wechselzone. Rauf auf’s Rad, Garmin gestartet und Zwischenzeit der Stoppuhr gedrückt. Ziemlich genau drei Minuten für den Wechsel - alles planmäßig.
Zwischenziel war nun, nach 1:45 Stunden Gesamtzeit auf der Laufstrecke zu sein. Dazu hätte es einen 32er-Schnitt bedurft. Dann schau’mer mal was geht. Beim Rothsee-Triathlon geht es zunächst bergab, was mir sehr gut gefällt. Zum einen können die Beine sich erst mal locker aufwärmen und zum anderen bekommt man von Anfang an eine hohe Geschwindigkeit vom Tacho angezeigt. Erfreut stellte ich fest, dass auch die Straßen seit meinem letzten Start vor sechs Jahren erheblich besser waren. Hier hat der Landkreis Roth doch einiges getan.
Eine weitere Feststellung betraf die Athleten. Die können nämlich in der Masse scheinbar nur flach und gerade fahren. Sobald es bergauf, bergab oder etwas enger um die Kurve ging, sammelte ich jede Menge Konkurrenten ein. Das lag aber vielleicht auch an meinen äußerst lockeren Beinen. Wieder war ich überrascht von meiner Performance. Am höchsten Punkt des Kurses hatte ich einen Schnitt von 31,7 stehen, noch jede Menge Kraft in den Beinen und dementsprechend war auch die Motivation bestens.
Hier machte ich Bekanntschaft mit Thomas Legominski, oder genauer gesagt mit der Startnummer 752. Bergab zog er immer an mir vorbei, nur um sich dann wieder überholen zu lassen. Das Spiel wiederholte sich ein paar mal. Bis ich bemerkte, dass ich begann zu überzocken. Also ließ ich ihn ziehen. Letztendlich war er im Ziel drei Sekunden hinter mir, hihi.
Auf dem letzten Kilometer durfte man nochmal einen ordentlich Berg runter fahren. Meinen Schnitt hatte ich knapp an die 34er-Grenze hochgearbeitet. Die wollte ich jetzt aber auch noch überschreiten, schließlich geht’s hier ums Prinzip. Also nochmal volle Kanne an ein paar müden Damen und Beineauschüttlern vorbeigezogen. Tatsächlich war kurz die 34 zu sehen, verschwand aber gleich wieder, weil volle Konzentration auf die Wechselzone angesagt war.
Raus aus den Schuhen, zügig zum Beginn der Selbigen hingeradelt. Garmin gestoppt, Zwischenzeit an der Uhr gedrückt. Runtergesprungen und barfuß in Richtung freier Radständer gerannt. Dort einem freundlichen Helfer das Rad in die Hand gedrückt, ebenso den Helm. Startnummer nach vorn gedreht. Weiter gerannt zum Beutel mit den Laufschuhen. Den bekam ich von einer freundlichen Helferin in die Hand gedrückt. Ab ins Wechselzelt. Schuhe angezogen. Radbrille in Beutel geworfen und weiter ging’s. Zwischendurch noch Susi aufgemuntert, die gerade das Wechselzelt verließ. Am Verpflegungsstand noch ein Schluck Wasser getrunken. Zwischenzeit gestoppt. Erstaunlich, was man in 54 Sekunden alles tun kann.
Vor dem Laufen hatte ich eigentlich wegen der Hitze am meisten Bammel. Es ging auch ein bisschen zäh los, aber nicht so schlimm wie befürchtet. Am ersten Anstieg eine taktische Pinkelpause, um den Puls etwas runter zu bekommen. Hat auch geholfen, denn von nun an hatte ich mein Tempo gefunden. Am nächsten Berg überholte ich einige, die diesen nur noch gehend bewältigten. Danach etwa ein Kilometer leicht bergab bis zu Wende. 17:32 Minuten zeigte meine Uhr beim 4-km-Schild, was ich aufgrund der Topographie und der kleinen Pause als etwas unwahrscheinlich abtat.
Nach der Wende den gleichen Weg zurück, das heißt also leicht bergauf. Hier war die kritischste Phase des ganzen Wettkampfs. Es half nur noch Tunnelblick. Den legte ich bis fast zum Ziel auch nicht mehr ab. Helmut registrierte ich nur ganz weit hinten im Hinterkopf, als wir uns begegneten. Richtig glücklich sah er nicht aus, das konnte ich noch erkennen. Irgendwann realisierte ich, dass ich wohl schon Kilometer acht passiert haben müsste. Da befand ich mich schon auf dem Bogen, der von der Pendelstrecke weg führt. Bald darauf biegt man wieder auf diese ein und dann ist es nur noch etwa ein Kilometer bis zum Ziel. Zunächst wieder in der prallen Sonne, dazu noch leicht bergauf durch eine Baustelle, was groben Schotter bedeutet. Nicht besonders angenehm zu laufen.
Die letzten paar hundert Meter waren dann das einzige längere Stück im Schatten. Beim Blick auf die Uhr stellte ich fest, dass es auf jeden Fall eine Zeit unter 2:30 Stunden werden würde. So konnte ich es locker austrudeln lassen. Kurz vor dem Ziel versuchte ich meine Vereinskollegin Petra noch zu einem Endspurt zu motivieren. Half aber nichts, sie hatte Seitenstechen und forderte mich deshalb auf, weiter zu laufen. Tat ich dann auch. Auf der Tartanbahn des Stadions war noch eine dreiviertel Runde zu laufen. Vor mir war ein älterer Herr. Ich hätte mich anstrengen müssen, um ihn noch zu überholen. Mir war ein ordentliches Zielfoto aber wichtiger, so dass ich einen Abstand zwischen ihm und mir ließ. Ist auch einigermaßen gelungen. Hier also das offizeielle Finisher-Urkunden-Foto von Compuline - Pfeiffer und Bergmann GmbH:

Nach 2:29:08 Stunden war mein Comeback auf der olympischen Distanz beendet. Das bedeutet Platz 74 von 195 in der Altersklasse, also im vorderen Mittelfeld. Angesichts meines nicht allzu üppigen Trainings bin ich damit mehr als zufrieden. Vor allem aber damit, wie dieses Ergebnis zustande kam. Bis auf ein paar Minuten beim Laufen musste ich mich zu keinem Zeitpunkt quälen und ich hatte richtig Spaß an diesem Wettkampf. So muss es sein und so kann ich mir noch viele weitere Triathlons vorstellen.
Zusammenfassung:
Schwimmen 1500 m (vermutlich eher etwas mehr): 25:56
Radfahren 40,7 km: 1:15:49 (inkl. 2 Wechsel)
Laufen 10,3 km: 47:23
Gesamt 2:29:08
Platz AK 40: 74 von 195 im Ziel
Gesamt: 307 von 959 Männern im Ziel
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Tags : olympische Distanz, Rothsee-Triathlon, Wettkampf
Kategorien : Wettkämpfe





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