Ein bemerkenswertes sportliches Wochenende ist vorbei. Der Samstag war geprägt vom Tanzkursabschlussball meiner Ziehtochter. Nachdem sie am Vormittag noch unbedingt Schuhe kaufen musste, und zwar in Landshut, legte sie am Abend aus- und nachdrücklich Wert darauf, um 18:00 Uhr im Ballsaal zu sein. Waren wir dann auch und das war gut so. Die zwei Stunden bis zum Beginn der Veranstaltung konnten wir nämlich damit verbringen, über verschiedenste Dinge abzulästern. Den ranzigen Geruch des Ballsaales zum Beispiel, die übersichtliche Speisekarte, die Bekleidung der nach und nach eintreffenden Damen und Herren und vieles mehr. Captain Jack Sparrow war unser Favorit, was das Äußere betraf. Aber auch Atze Schröder und Kurt Beck waren nicht schlecht.
Die Tanzveranstaltung war geprägt von Menschenmassen auf einer viel zu kleinen Tanzfläche. Das kam mir natürlich sehr entgegen, fiel ich doch dadurch nicht weiter auf. Von gelegentlichen Tritten in anderer Leute Hacken mal abgesehen. Aber es war ein ausgewogenes Geben und Nehmen.
Das Vortanzen an erster Stelle entfiel genauso wie der lange geprobte Einsatz meines potenziellen Schwiegersohns. Typischer Aktionismus meiner Ziehtochter im Vorfeld. Meine Frau und auch meine Schwiegermutter freuten sich aber über meine tänzerischen Bemühungen und so war es wider Erwarten ein ganz vergnüglicher Abend.
Kontrastprogramm am Sonntag - Challenge Roth.
Ich wählte aufgrund der Wettervorhersage die Autovariante zum Zuschauen und ließ das Fahrrad daheim. Abfahrt um 9:00 Uhr im strömenden Regen nach Greding, um am dortigen Kalvarienberg zunächst zu beobachten, wie die Spitze nach oben schwamm radelte.

Danach kam Susi, die Radlerin unserer Vereinsstaffel, etwa zehn Minuten vor dem Zeitplan.

Sie hatte einen gewaltigen Horror vor dem Sauwetter, deshalb versprach ich ihr vollmundig, dass es gleich besser werden würde. Und, oh Wunder, das Wetter hielt sich für den Rest ihres Wettkampfs an mein Versprechen. Es hörte auf zu regnen und ab und an kam sogar die Sonne durch. Vorher aber feuerte ich noch den Michi an, den einzigen Einzelstarter unseres Vereins. Er jammerte zwar etwas, das es ihm nicht so gut ginge. Aber ich nahm das als gutes Zeichen.
Danach Weiterfahrt nach Hilpoltstein, wo ich mich mit den anderen Vereinsgroupies verabredet hatte. Petra war eine Klassezeit von 1:14 Stunden geschwommen und dementsprechend zufrieden. Susi sah weiterhin gut aus, sehr konzentriert bei der Sache. Michi jedoch quälte sich furchtbar den Berg hinauf. Er hatte über eine Viertel Stunde auf den gut 30 Kilometern seit Greding gegenüber dem Zeitplan verloren. Mein Vereinskollege Manfred konnte ihn durch gutes Zureden vom Aussteigen abbringen. Alle hatten große Bedenken, ob er den Solarer Berg noch schaffen würde.
Ich begab mich dann zur Lände Roth auf die Laufstrecke.

Dort begegnete ich Michi erneut zweimal. Er hatte das Radfahren doch noch beendet (in einer “furchtbar” schlechten Zeit von 5:19 Stunden) und machte nun wieder einen guten Eindruck. Oli F., bekannt aus dem Runner’s-World-Forum, schreckte ich durch mein Zurufen aus seinem Tunnel. Er blickte mich nur verständnislos an und rätselte fortan wohl, wer ich wohl sein könnte. Mich fasziniert das eigentlich am meisten an der Langstrecke. Diese Konzentration auf den Wettkampf, auf den nächsten Schritt und auf das Ziel. Wenn einem das gut gelingt, ist man am Ende überrascht, dass es schon vorbei ist. Der Kopf ist hier genauso wichtig wie die Kondition, die man mitbringen muss.
Letzte Station nun das Zielgelände in Roth. Ich bekam gerade noch mit, wie die erste Dame ins Ziel kam mit einer neuen Weltbestzeit. Ministerpräsident Beckstein durfte salbungsvolle Worte sprechen, schließlich ist Wahlkampf in Bayern. Immerhin konnte er die Streckenlängen richtig aufzählen, Respekt. Nach und nach trudelten die schnellen Damen und Herren ins Ziel. Ute Mückel feuerte ich noch besonders an, was sie mit einem Lächeln quittierte. Sie beendete ihre letzte Langdistanz als Profi in 9:49 Stunden. Für mich ist sie eine Wegbegleiterin in meiner Triathlon-Karriere. Nach ihren Trainingsplänen habe ich in meiner Anfangszeit Schwimmen trainiert, bei meinen Starts in Roth war sie auch immer (vorne) dabei. Eine große Sportlerin.
Kurz danach kam Sabine aus der Wechselzone gelaufen. Während schwarze Wolken drohend näher rückten, machte sie sich auf den Marathon. Susi hatte genau nach Zeitplan das Radfahren in 6:30 Stunden beendet. Es war furchtbar, wie sie hinterher berichtete, aber nun ist sie sehr stolz. Was sie auch sein darf. Letztes Jahr geschwommen, dieses Jahr geradelt, ich bin gespannt, was nächstes Jahr kommt. Gibt’s ja eigentlich nur eins 
Ein überglücklicher Michi

erblickte wenige Minuten später dieses erlösende Schild.

Ein sagenhafter Marathon in 3:19 Stunden brachte ihm grandiose Endzeit von 9:42 Stunden ein. Sehr viel länger hätte er nicht brauchen dürfen, denn bald darauf begann es wieder zu schütten. So endete der Tag für mich, wie er begonnen hatte. Im Regen marschierte ich zurück zum Auto. Leider hatte ich den Schirm diesmal nicht dabei, so dass ich patschnass war, als ich dort ankam. Das tut meiner Begeisterung für den Sport aber keinen Abbruch. Ich konnte mit meinen Athleten mitfiebern und wieder einmal die ganz besondere Stimmung in Roth genießen.


Ich bin sicher, irgendwann bin ich wieder dabei. Die Planungen dafür geistern schon in meinem Kopf herum
Sabine lief einen sehr konstanten Marathon in 3:45 Stunden, so dass die Staffel eine Endzeit von 11:32 erreichte. Auch eine tolle Zeit, über die sich die Mädels auch sehr freuen. Mein Glückwunsch an dieser Stelle an sie, an Michi und an alle anderen, die das an diesem verregneten Tag durchgezogen haben.
Was mich betrifft, ich habe Muskelkater. Kein Wunder nach einer Langdistanz mit Tanzabend vorher!
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