Mein Meister hatte mir, scheinbar ist diese Woche Erholung angesagt, einen lockeren Lauf über 17 bis 19 km verordnet. So wie ich das immer mache, wollte ich diesen auf meine 14,2-km-Runde bis Ratzenhofen verkürzen. Die kenne ich im Schlaf, sie hat keine nennenswerte Steigung und ich wäre auf die Minute genau wie geplant zuhause gewesen. Aber irgendwie war mir das heute zu langweilig. Also drehte ich nach etwa vier Kilometern kurzentschlossen nach Westen ab.
Die Folge war ein Anstieg von über einem Kilometer Länge, und zwar von der Sorte, die ich gar nicht mag – ohne richtigen Anfang, zunächst ganz leicht steigend um zum Schluss die stärkste Steigung zu haben. Lars würde so ein Hügelchen vermutlich nicht mal als Steigung definieren. Ich fand’s anstrengend und musste vor allem in der Folge noch öfter über die Definition von „Berg“ grübeln.
Natürlich ging es anschließend wieder bergab nach Rohnstorf. Da braucht man ungefähr 94 Sekunden, dann hat man das Dorf hinter sich und den nächsten Berg vor sich. Den würde auch Lars als Berg bezeichnen, immerhin etwa 40 Höhenmeter. Es folgte eine Waldpassage, die üblicherweise sehr schmutzig ist. Heute, dank des trockenen Wetters die letzten Tage, musste ich die Gummistiefel nicht auspacken. Wenn man die Schlammlöcher hinter sich hat, folgt ein brachialer Abstieg, bevor man wieder befestigtes Terrain erreicht, die Verbindungsstraße von Radertshausen nach Gasseltshausen.
Hier geht’s natürlich, bergauf bis auf die Höhe, die man vorher schon mal erklommen hatte. Ohne Zweifel auch in Lars’ Augen ein Berg. Nun wurde ich übermütig. Nahm nicht den üblichen, relativ viel befahrenen, Weg nach Ebrantshausen, sondern bog in Gasseltshausen nach links ab in Richtung aufgelassener Kiesgrube, um von dort nach Hause zu laufen. Doch kurz nach dem Ortsschild stach mir ein Feldweg ins Auge, der vielleicht nach Ebrantshausen führen könnte. Relativ guter Zustand und sogar ein Vorfahrt-Achten-Schild an der Einmündung zur Dorfstraße. Er führte zunächst bergauf, wer hätte das gedacht, um dann länger hinab in Richtung eines Hopfengartens zu führen, wo er, wie so oft in der Hallertau, endete.
Inzwischen hatte ich gut zehn Kilometer in den zunehmend schwereren Beinen. Was nun? Zurücklaufen? Och nee, das mag ich ja gar nicht. Also Schwenk nach links, wo mit ein bisschen Fantasie unter der Grasnarbe eine Traktorspur zu erkennen war. Das Ganze artete nun in einen veritablen Crosslauf aus. Doch schon nach knapp einem Kilometer, beim nächsten Hopfengarten, konnte ich mit einer Rechtsdrehung die Richtung Ebrantshausen aufnehmen. Noch ein paar dreckige Meter bergauf und ich landete auf der Straße nach Massenhausen, wo ich mich nun wieder auskannte.
Der Rest ist schnell erzählt. Ebrantshausen Berg runte, weiter Richtung Mainburg. Kurz vorher wieder rechts in die Pampa und mit Juchee den letzten Berg hinauf. Okay, ganz so spritzig war das nicht mehr. Aber dafür nur noch knapp zwei Kilometer bis nach Hause.
Wie sagte schon Goethe: „Erreicht den Hof mit Müh’ und Not – der Knabe lebt, das Pferd ist tot.“ oder so ähnlich. Ich hatte genug, aber es war ein schöner Lauf. Nur nicht so erholsam.
Damit keiner auf die Idee kommt, mir nachzusagen, dass ich übertreibe, hier das Höhenprofil:

Insgesamt knapp 16 km in 1:24 Stunden. Ich glaube, langsam kann ich wieder einen Lauf mit Lars ins Auge fassen.

Wenn es doch ein schöner Lauf war, dann ist das die Hauptsache
.
Das mit den Hügeln ist echt Gewöhnungssache. Bei mir ist es echt überall sehr hügelig, ich nehme es hin, weil es nicht anders geht, und passe mein Tempo an, wenn es bergauf geht.
*schnarch*
Zu meiner Schande muss ich eingestehen, dass ich bis dato gar nichts von dem Berg zwischen Rohnstorf und Gasseltshausen wusste – wieder was gelernt und natürlich werde ich den Berg bei einem der nächsten langen Läufe einbauen.
Hat die geneigte Leserschaft etwas bemerkt? Genau, ich habe gleich zweimal den Begriff „Berg“ verwendet – für eine einzige Steigung. Spätestens hier sollte uns klar werden, dass Onkel Uli immer mehr zur Hallertauer Bergziege mutiert und der Rest unserer Läufergruppe sich demnächst warm anziehen muss…
Schwer beeindruckte Grüße aus dem mittleren Landkreis!
Lars