Unsportliches

17 10 2007

In den hier bekannten Bloggerkreisen herrscht zur Zeit ziemlich Ruhe. Auch bei mir tut sich sportlich nicht viel. Ab und zu ein Läufchen, beim Schwimmen war ich auch schon mal. Sonst ist aber Schonung angesagt.
Mittlerweile beschweren sich aber gewisse Leute, dass es hier nichts mehr zu lesen gibt. Nun gut, deren Wunsch sei mir Befehl. Wie gesagt, zum sportlichen gibt es derzeit nichts zu schreiben. Also tippe ich mal was politisches, was ich sonst eher selten mache.

Spätestens seit der diesjährigen Verleihung des Friedensnobelpreises ist das Thema Klimawandel in aller Munde. Jeder weiß Bescheid und alle sind einer Meinung - es muss sich etwas ändern. Nur der kleine Uli versucht zu hinterfragen. Mit gesunder Skepsis gegenüber allen Dogmen ausgestattet, versuche ich derzeit, mich durch das Pro und Kontra des menschengemachten Klimawandels zu kämpfen. Das erste was mir auffällt: Hier geht es um ein Riesengeschäft. Das ist schon mal sehr verdächtig. Die weiteren Argumente der Klimaskeptiker wie zum Beispiel hier, möchte ich gar nicht vertiefen, denn das ist gar nicht mein Anliegen. Ob der Klimawandel nun menschengemacht ist oder nicht sei mal dahingestellt.
Ich bin der Meinung, dass wir in diesem Jahrhundert mit viel größeren Problemen fertig werden müssen. Der Überbevölkerung der Erde zum Beispiel. Oder mit multiresistenten Bakterien, die auf kein Antibiotikum mehr ansprechen. Oder dem Ende des (billigen) Erdöls.
Wem sagt der Begriff Peak Oil etwas? Wikipedia gibt ausführlich Auskunft. Kurz gefasst: Peak Oil bedeutet das Fördermaximum einer Ölquelle, eines Fördergebietes oder (kumuliert) der weltweiten Ölproduktion. Die hat ihr Maximum derzeit in etwa erreicht. Die nächsten Jahre und Jahrzehnte wird immer weniger Öl produziert, etwa 5-10% pro Jahr. Gleichzeitig steigt aber die Nachfrage durch Länder wie China oder Indien. Die Folge ist leicht ersichtlich, das Öl wird knapper und somit teurer.
Für was braucht man Öl? 90% davon wird verbrannt. Für die Mobilität, in der Industrie zur Herstellung von Produkten, zum Heizen unserer Gebäude. Der Rest steckt direkt in so ziemlich allen Sachen, die Kunststoff enthalten. Zur Herstellung von Dünger wird Öl gebraucht. Auch für Medikamente, Waschmittel, Kunststofffenster, Matrazen und die Tastatur, auf der ich gerade tippe. Das alles wird in naher Zukunft teurer. Richtig viel teurer.
Gibt es Alternativen? Kaum. Peak Gas ist auch nicht mehr allzu weit entfernt. Uran reicht beim der derzeitigen Verbrauch gerade mal 30 Jahre und ist dementsprechend exorbitanten Teuerungsraten unterworfen. Das erklärt auch, warum nur noch relativ wenig Kernkraftwerke gebaut werden und um die Laufzeiten der alten gestritten wird.
Kohle? Reicht etwas länger ist aber auch nicht so recht die Lösung. Öl aus Biomasse? Ja, prima. In Brasilien hat Ethanol ca. 70% Marktanteil, wenn ich mich richtig erinnere. Mehr als jetzt kann aber eigentlich nicht produziert werden, weil die Anbauflächen für Zuckerrohr, Raps usw. von den Flächen für die Nahrungsmittelproduktion abgezwackt werden. Außer es stört in Zukunft keinen, dass halt ein paar Millionen Menschen verhungern müssen, damit wir reinen Gewissens Biodiesel tanken können.
Wind, Sonne, Wasser? Produzieren Strom, ist lange nicht so effektiv wie Öl und ohne Subventionen teuer herzustellen. Derzeit haben diese drei einen Marktanteil von gerade mal 10%. Unsere Bundes-Angie will das zwar ändern, aber der Anteil wird auch die nächsten Jahre gering bleiben.

Nun komme ich wieder zurück zu den Klimaskeptikern. Man wird nicht daran vorbei kommen, in regenerative Energien zu investieren, wenn auch aus einer anderen Motivation. Und wir werden uns einschränken müssen. Keine zwei oder drei Urlaubsflugreisen pro Jahr, von Geschäftsreisen ganz zu schweigen. Kein Auto mehr, das über fünf Liter auf 100 km verbraucht, geschweige denn zwei davon. Keine (Bio)Äpfel mehr aus Chile. Schuhe, Kleidung und Spielzeug werden dann vielleicht wieder vermehrt in Europa produziert, teurer sein und im Kleiderschrank und Kinderzimmer wird mehr Platz sein. Das Krankenkassensystem wird nicht mehr das gleiche sein wie heute, weil die Medikamente sehr viel teurer sein werden. Man wird viel mehr für die Nahrungsmittel ausgeben müssen. Ich fürchte leider auch, dass es noch jede Menge Kriege geben wird um die letzten Ressourcen.
Das alles nicht sofort, sondern schleichend, so dass man sich daran gewöhnen kann. Wenn wir Glück haben, wird meine Generation noch einigermaßen glimpflich davon kommen.
Darüber, wie es mit meinen Kindern weitergeht, mache ich mir Sorgen. Aber das liegt wahrscheinlich in der Natur eines verantwortungsvollen Vaters. Ich bin sicher, für diese Probleme werden Lösungen gefunden werden. Vor 200 Jahren hätte sich keiner vorstellen können, wie die Welt heute aussieht. Ich hoffe jedenfalls, dass die Entwicklung in Zukunft etwas friedlicher vonstatten geht, als es in dieser Zeit war.

Wen das Thema Peak Oil näher interessiert, hier ein paar Links:
Relativ kurz gefasst
Sehr ausführliche Seite
und natürlich WIKIPEDIA

verlinken / 2 Kommentar(e) / kommentieren

Hase / Website (17.10.07 20:28)
Super geschrieben.
Danke, Uli


Helmut (17.10.07 21:52)
Keine drei Urlaubsreisen mehr? Wo soll ich denn dann die Trainingslager durchziehen? Sehr unsprotlich das alles. Da hast Du recht.

peace Helmut, der in seinem neunen Job Bäume pflanzt um die Welt wenigstens etwas CO2 neutraler zu gestallten.

 


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