Während ich zu Hause den Pfingstrosen beim Austreiben zusehen kann, wird in Ismaning ein sogenannter Winterlauf veranstaltet. Es gibt offensichtlich Leute, die das wirklich ernst und somit wörtlich nehmen. Die schauen nach dem Aufstehen erst einmal auf den Kalender. Nach dem Datum wird entschieden, was man zum Laufen anzieht. Nur so kann ich mir erklären, dass ich gestern Sportler antraf, die in dickem Fleece-Pulli eingepackt und mit Handschuhen, Sturmhaube und vermutlich Thermo-Unterwäsche bewaffnet waren. Etwas andere Sorgen hatte ich im Vorfeld des gestrigen Laufs. War doch der letzte lange Lauf über knapp 20 km alles andere als eine Offenbarung. So beschloss ich, mit einem Schnitt von 4:50 Min./km zu beginnen um dann zu sehen, wie weit ich das durchhalten würde. Diesmal stellte ich mich weiter vorne auf, was jedoch wieder dadurch wett gemacht wurde, dass sich der Beginn des Starterfeldes etwa 20 Meter vor dem imaginären (weil zu viel Wind) Starttransparent befand. Aber egal, es ging trotzdem recht zügig voran, der erste Kilometer in 4:56, also gerade recht. Kurz danach die scharfe Rechtskurve und dann bis auf Weiteres entlang der Isar. Immer schön nach Gefühl, es ging recht locker. Beim Überholen gelegentlich eine Schweiß-Dunstwolke eingeatmet. Waschen die Leute sich eigentlich nicht vor und/oder nach dem Laufen? Nächster Kilometer – mein Spielzeug macht mir zunehmend Spaß, bin ich jetzt doch nicht mehr auf die vom Veranstalter aufgestellten Markierungen angewiesen. Doch was zeigt mein Forerunner an? 4:35 – das ist viel zu schnell. Etwa so wie vier Wochen zuvor an gleicher Stelle. Da reichte die Kraft gerade mal 8 km in diesem Tempo. Also langsamer, Ulrich! 4:40 ist nur unwesentlich langsamer, das war die Zeit nach drei Kilometern. Aber ich fühlte mich gut, es war bei weitem nicht so anstrengend wie das letzte Mal. Also gut, machen wir so weiter. Mal sehen, wann ich das Pulver verschossen habe. Nach etwa vier Kilometer schloss mein Vereinskamerad Simon auf, der mich von nun an begleitete. Das Tempo pendelte sich für die nächsten sechs Kilometer bei 4:34 Min/km ein. Anita, Peters Frau, überholten wir kurz vor der Verpflegungsstelle bei sechs Kilometern. Sie hatte einen ziemlich roten Kopf auf und man sah ihr an, dass sie nicht ganz fit war. Aber sowas hält sie nicht vom Laufen ab und letztendlich kam sie auch nur vier Minuten nach mir ins Ziel. Simon schnappte sich einen Becher und nachdem er ihn ausgetrunken hatte zog er das Tempo an. Mehr als 30 oder 40 Meter Vorsprung schaffte er aber nicht heraus zu holen. Trotzdem mussten nun zwei 4:30er Kilometer her, um wieder an ihn heran zu laufen. Trotzdem lief es bis dahin noch relativ locker. Aber allmählich wurden die Beine doch schwerer. Wenn es noch drei Kilometer bis zum Ziel sind, ist das aber noch gut zu verdrängen. Es folgten noch zwei 4:40er Runden und ich war wieder auf dem asphaltierten Radweg, der zum Sportgelände in Ismaning führt. Simon hatte nun etwa zehn Meter Vorsprung und unterhielt sich mit einem Läufer, den ich kurz darauf als Michi identifizierte, einem weiteren Vereinskollegen. Hey, der war doch beim letzten Lauf noch um zwei Minuten schneller als ich! Auf den letzten vierhundert Metern sprintete ich tatsächlich noch das Loch zu den beiden zu. Aber während ich nun fast am Anschlag lief, hatten Simon und Michi noch was zuzusetzen, so dass sie schließlich mit vier bzw. sechs Sekunden Vorsprung ins Ziel liefen. Macht aber nichts, weil ich bin mehr als zufrieden mit dem Ergebnis und vor allem, wie locker es zustande kam. Sehr gleichmäßig gelaufen und keinen Einbruch gehabt, was will man mehr.

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