Die Weisheit ist in Gefahr
Hiermit oute ich mich als der größte Schisser, den die Welt gesehen hat. Nichts könnte mich ernsthaft aus der Ruhe bringen. Untrainiert bei einem Ironman starten – Kinderkram. Die Gattin wettert, die Kinder plärren – ja, und? Bein- oder Armamputation – es könnte schlimmer kommen.
Heute war es dann soweit. Letzte Woche bröckelten mir ein paar Stückchen aus dem Weiheitszahn, unten, links. Meine Frau meinte, ich solle gleich in der Früh zum Schmerzdienst gehen. Aber das war mir zu kurzfristig. Weil so ein Zahnarztbesuch muss psychologisch optimal vorbereitet sein. Wie sieht es aus mit dem Mond, den Sternen, dem Biorhythmus?
Immerhin konnte ich den Termin bis heute morgen um zehn hinauszögern. Mit einem grauenhaften Gefühl in der Magengrube und Todesahnungen unterdrückend schlich ich die Stufen zur Praxis hoch. Nach dem Eintritt in die Hölle empfingen mich sogleich mehrere weiß gekleidete Damen, knöpften mir 10 Euro Praxisgebühr ab und schickten mich ins Wartezimmer. “Bunte” und Co. schafften es nicht, mir die Laune zu verbessern. Dann der Ruf zum Schafott. Die Dame in weiß drapiert den Delinquenten, ordnet die Folterinstrumente und verlässt voller Vorfreude den Raum, um den Peiniger zu rufen. Während ich die Gerätschaften inspiziere läuft vor meinem geistigen Auge mein Leben ab. Erinnerungen kommen hoch an die Zahnärztin meiner Kinderzeit, der ich dieses Schlamassel verdanke. In ihrem Wartezimmer hing zur Aufheiterung ein Bild, das die Erhängung eines Schwarzen Eingeborenen darstellte. So interpretierte ich das zumindest damals. Selbstredend gab es auch für einfache Bohrarbeiten keine Spritze, wodurch die Angelegenheit immer sehr schmerzhaft war. So ist auch zu verstehen, dass es mir noch heute beim Ton eines Zahnarztbohrers eiskalt den Rücken herunter läuft.
Heutzutage geschieht das alles natürlich wesentlich gesitteter. Oder man wechselt einfach den Zahnarzt, weil man ja nicht mehr von Muttern geschickt wird.
Nun denn, fangen wir an. Der junge, dynamische Herr in Weiß inspiziert mein weit aufgerissenes Maul, nachdem ich ihm erklärt habe, was Sache ist. Ja, es gebe nun zwei Möglichkeiten, ist seine Auskunft. Entweder er mache eine ordentliche Füllung, ohne eine Garantie geben zu können, dass es was wird, weil der Weisheitszahn so weit hinten liegt und er nicht richtig heran käme. Ist also nicht so die tolle Lösung. Oder er ziehe den Zahn gleich, weil er eh zu nichts nütze sei, langfristig zu Arthrose im Kiefer führen könne und in zwei Tagen wieder Ruhe wäre.
Voller Grauen wende ich ein, wie das denn wäre, weil ich doch im Moment erkältet sei und Ohrenschmerzen hätte. Ja, dann käme ziehen heute nicht in Frage. Oh, welche Freude, der Tag ist gerettet, fünf Jahre sind gewonnen. Es lief nun nämlich auf eine Kompromissbehandlung hinaus. Keine so hochwertige Füllung, die aber schon bis zu fünf Jahre halten könnte. Also, zunächst röntgen, dann Spritze rein, ein bisschen bohren, Loch zuspachteln und nichts wie raus hier.
Fröhlich und erleichtert marschierte ich nun zu meinem Hausarzt, um die nächsten zehn Euro abzudrücken. Er diagnostizierte ein kleines Loch im Trommelfell, nicht so dramatisch, nur schonen müsse ich mich. Aber das mach ich doch gerne.
Zuhause angekommen erwartete mich meine mitleidende Gattin und der kränkelnde aber freudenstrahlende Sohn. Hurra, ich lebe noch!
2.10.06 21:32 verlinken / 3 Kommentar(e) / kommentieren
Weil Energieberatung und alles, was damit zusammen hängt, in der Baubranche ein Thema mit Zukunft ist, mache ich derzeit eine Fortbildung zum Energieberater. Das heißt fünfmal eine Woche nach München fahren, was ich ja so liebe, vor allem am Montag Morgen.
Es bedeutet aber auch, dass ich mich, wenn ich so gegen 16.30 Uhr wieder zu Hause bin, mich um mein Büro und/oder um den Sohnemann kümmern muss. Bis der dann im Bett ist gibt es eigentlich keine Minute zum Verschnaufen, weil meine Frau ja auch arbeitet und erst nach mir heimkommt.
Verständlich, dass die Lauferei im Moment Pause hat und die Bloggerei erst recht. Aber nächste Woche tut sich auf beiden Feldern wieder mehr.
10.10.06 20:10 verlinken / 1 Kommentar(e) / kommentieren
Der Mainburger Stadtlauf ist schon wieder Geschichte, zumindest der diesjährige. Es lief alles reibungslos, nicht zuletzt durch meine tätige Mithilfe. Dieser bedurften vor allem die ganz Kleinen, die vor lauter sportlichem Ehrgeiz und Eifer gar nicht registrierten, dass sie in den Zielkanal laufen mussten. So spielte ich also den Fänger auf dem Marktplatz, damit keiner abhanden kam.
Die Mainburger Triathleten waren heuer nicht so gut drauf. Mane erkältet, Martin auch nicht so überragend wie gewohnt und Peter erst gar nicht am Start. Trotzdem reichte es zum Mannschaftstitel, vor der heimischen Konkurrenz, was ja nicht ganz unwichtig ist. Gewonnen haben Michael Puch/Team Baier Landshut (der sogar Seriensieger Christian Schütz hinter sich ließ) und Bernadette Pichlmaier, die allseits bekannte Lokalmatadorin.
Ich bin froh, dass eine stressige Woche vorbei ist. Es geht doch nichts über einen geregelten Alltag. Zu allem “Überfluss” bekamen wir am Samstag noch Möbel angeliefert, so dass die letzten vier Tage aus-, um- und einräumen angesagt war. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Aber ich hoffe, dass ich so langsam doch wieder ins Sportgeschehen einsteigen kann.
15.10.06 22:06 verlinken / kommentieren
Der dritte Sonntag im Oktober bedeutet für einen Triathleten, dass er im Internet beginnt. Genauer gesagt bei Ironmanlive.com. Am Abend zuvor hatte sich schon abgezeichnet, dass Normann Stadler in Topform war. Und so wünschte ich ihm, dass es diesmal ohne Stürze oder Pannen abgehen würde bevor ich mich ins Bett begab. Obwohl mir schon klar war, dass zehn Minuten Vorsprung auf der Laufstrecke möglicherweise gegen Macca nicht reichen könnte. Am Morgen aber dann die die frohe Kunde, dass es gerade noch gereicht hat. Und Faris auch noch Dritter wurde. Na, das ist doch was.
Während ich so durch die Nachrichten surfte kam mein Kleiner ins Wohnzimmer und meldete: “Hier bist Du! Ich hab’ dich schon vermisst!” So was freut natürlich jeden Papa.
Der Tag hatte also sehr erfreulich begonnen und die gute Laune schlug sich dann auch in meiner sportlichen Motivation nieder. Zuerst fuhr ich die Ziehtochter zum Reiten. Dann lief ich direkt von dort eine Runde bergauf und bergab durch die sonnige Hallertau. Viel zu warm angezogen, wie auch alle anderen Läufer, denen ich begegnete. Es wurde eine knappe dreiviertel Stunde gemütlicher Jog daraus. Dazwischen ein bisschen Lauf-ABC und abschließend ausgiebiges dehnen. Schon lange hatte ich beim Laufen keinen solchen Spaß mehr. Vielleicht sollte ich öfter auf nicht vermessenen Wegen unterwegs sein, wo die Uhr keine Rolle spielt. Die nächste Wettkampfvorbereitung kommt noch früh genug.
23.10.06 09:18 verlinken / kommentieren
Irgendwie ist es mit meiner Gesundheit nicht so weit her. Kaum habe ich mich von meinen verstopften Nebenhöhlen samt löchrigem Trommelfell erholt, habe ich mir schon wieder eine saftige Erkältung eingefangen. Die zieht sich jetzt auf die Bronchien zurück, so dass ich sozusagen aus dem letzten Loch pfeife. Aber auch das wird wieder werden.
Trotzdem habe ich mich heute für die Ismaninger Winterlaufserie angemeldet. Das beinhaltet drei Läufe über 12,8 km, 16,8 km und die Halbmarathondistanz. Somit habe ich genug Ziele, um mich über die Wintermonate zu motivieren und das Laufen nicht allzu sehr schleifen zu lassen.
25.10.06 14:29 verlinken / kommentieren
Man vs. Bike
Heute war wieder mal so ein Tag, den ich in meinem Gedächtnis behalten werde, lauftechnisch gesehen. Der Oktober ist fast vorbei und somit auch meine mir selbstauferlegte Sportpause. Und so trabte ich los zu einem lockeren Läufchen auf der altbekannten 9,8 km-Runde. Kurz vor dem Wendepunkt kam mir ein Radfahrer in beschaulichem Tempo entgegen. Diese Chance ließ ich mir natürlich nicht entgehen. Also zügig bis zum Ende der Pendelstrecke weiter, 180° kehrt und ab auf die Verfolgung. Obwohl ich nur in einem 5:10er Schnitt unterwegs war, kam ich doch recht schnell an den Radler ran. Beim Überholen zog ich etwas an, damit das schneller ging. Und ohne mich nochmal umzudrehen ließ ich ihn einfach stehen.
Diese kleinen Albernheiten erfreuen das Läuferherz. In meiner langen Laufkarriere ist mir das bisher erst zwei mal gelungen. Einmal war es eine alte Frau und das andere Mal ein kleiner Junge, die mit mir nicht mithalten konnten. Aber heute war es ein ausgewachsener Mann im besten Alter. Ein bisschen füllig vielleicht, aber immerhin.
Jetzt hoffe ich noch auf ein Ende des Halloween-Unsinns. Bestimmt 15 mal hat es an der Haustür geläutet. Selbst dann noch, als ich einen “Ich-habe-kein-Süßes-mehr”-Zettel an selbiger befestigt hatte. Da soll man einen Dreijährigen ins Bett bringen.
Der Nachbarjunge ist zu allem Überfuss ein Pyromane, der zu solchen Anlässen immer ein exzessives Feuerwerk veranstaltet. Aber das hat mein Junior zum Glück schon verschlafen.
31.10.06 20:25 verlinken / 2 Kommentar(e) / kommentieren

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